Lehrstellen
Stadt Zürich lanciert Berufswahl-Trail

Die Berufswahl fällt nicht allen leicht. Mit dem Berufswahl-Trail schafft die Stadt Zürich ein hilfreiches Angebot: Auf spielerische Art sollen Jugendliche bei der Lehrstellensuche mehr Perspektiven entdecken.

Matthias Scharrer
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Stadt Zürich lanciert Berufswahl-Trail

Stadt Zürich lanciert Berufswahl-Trail

Matthias Scharrer

240 verschiedene Berufslehren gibt es in der Schweiz, doch welche ist die richtige für mich? Vor dieser Frage stehen Jahr für Jahr viele Jugendliche. Das Laufbahnzentrum der Stadt Zürich hat nun aus Anlass seines 100-jährigen Bestehens eine spielerische Antwort darauf entwickelt: den Berufswahl-Trail. Ähnlich wie bei den Foxtrail-Spielen, die in den letzten Jahren aufkamen, handelt es sich um eine Art Schnitzeljagd von Posten zu Posten, quer durch die Stadt.

An jedem der zwölf Posten erfahren die Teilnehmenden etwas über Lehren aus verschiedensten Berufsgebieten. Doch sie müssen sich schon etwas anstrengen, um von Posten zu Posten zu finden: Aufmerksamkeit, genaues Lesen und Beobachten, Geduld und konstruktive Kommunikation in der Gruppe sind beim Berufswahl-Trail entscheidend, um voranzukommen. Zur Not gibts aber auch noch eine Hotline.

«Wir wollen die Berufswahl erlebbar machen, mit einem spielerischen Einstieg. Sie darf auch Freude machen», sagte Michèle Rosenheck, Direktorin des Laufbahnzentrums, gestern bei der Präsentation des Berufswahl-Trails.

Und so stiefeln Vertreter von Lehrbetrieben und Medienschaffende los. Beim Start werden wir im Laufbahnzentrum an der Konradstrasse 58 mit einer Gebrauchsanleitung ausgestattet. Abmarsch ist im Laufbahnzentrum beim Posten 1 (exaktes Arbeiten im Labor). Weiter gehts zum Hauptbahnhof. Man könnte ja Gleisbauer werden, bräuchte dazu auch Körperkraft und würde mit Messgeräten Gleise oder Weichen überprüfen, erfahren wir unterwegs. Nächste Station ist der Sunrise-Shop in der Bahnhofstrasse. Vielleicht wäre Mediamatiker der richtige Beruf: kreative Arbeit an der Schnittstelle zwischen Marketing und Informatik.

Die Tour mit den zwölf Berufsposten dauert insgesamt 90 Minuten. Sie führt unter anderem auch zur ETH und in den Detailhandel.

Vertreter von Lehrbetrieben, die den Parcours unterstützen, sind bei unserem Probelauf auch dabei. «Viele Jugendliche und Eltern sind aus der Schule daran gewöhnt, dass es bei fast jedem Problem Unterstützung durch Spezialisten gibt», sagt Michele Marchesi, Lehrlingsbeauftragter bei Siemens. Dabei komme es gerade bei der Lehrstellensuche auch darauf an, selber zu schauen, was es für Möglichkeiten gibt. «Jugendliche müssen Zeit investieren in die Berufswahl», doppelt Felix Häberli nach, der bei Sunrise für Lehrlinge zuständig ist.

Der Berufswahl-Trail ist dabei nur ein Einstieg. Insgesamt dauert der Prozess der Berufswahl zwei Jahre, wie Laufbahnzentrums-Leiterin Rosenheck sagt. Bis Weihnachten, so der Plan, sollen alle 2. Sekundarschulklassen der Stadt Zürich den Trail absolvieren. Mittwochnachmittags steht er jedermann gratis zur Verfügung. Die nötigen Unterlagen können dann von 13 bis 16 Uhr im Laufbahnzentrum bezogen werden.

Der Trail soll neue Perspektiven aufzeigen: «Viele sind früh auf einen Beruf fixiert und verlieren andere Möglichkeiten aus den Augen», sagt Rosenheck. «Es kommt aber gar nicht so sehr darauf an, genau im Traumberuf zu starten. Fast noch wichtiger ist, dass der Lehrbetrieb zu einem passt, dass man sich dort wohlfühlt.» Um dies herauszufinden, empfiehlt sie Schnupperlehren und genaues Beobachten.

Schon jetzt beginnt der Konkurrenzkampf für 2020

Noch sei die Situation auf dem Lehrstellenmarkt für Jugendliche günstig: Selbst im gefragtesten Beruf, der kaufmännischen Lehre, gelinge es nicht allen Betrieben, ihre Lehrstellen zu besetzen. Doch wegen der steigenden Schülerzahlen könnte sich dies bald ändern. Und schon jetzt beginne der Konkurrenzkampf um die begehrtesten Lehren, die in einem Jahr starten. Auf jeden Fall empfehle es sich, offen auf die Lehrbetriebe zuzugehen, «nicht mit Stöpseln in den Ohren und Kapuzenpulli», wie Rosenheck sagt. Auch ein fehlerfreies Bewerbungsschreiben mit professionellem Foto sei unabdingbar.