Beschneidung
Zürcher Kirchen: Beschneidungs-Stopp ist unverhältnismässig

Als voreilig und unverhältnismässig bezeichnen die Zürcher Kirchen den Entscheid des Kinderspitals (Kispi), vorderhand keine religiös begründeten Beschneidungen an Knaben mehr durchzuführen.

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Das Kinderspital Zürich verzichtet auf Beschneidungen aus religiösen Gründen (Archiv)

Das Kinderspital Zürich verzichtet auf Beschneidungen aus religiösen Gründen (Archiv)

Keystone

Der Kirchenrat der reformierten Landeskirche und der Synodalrat der katholischen Körperschaft im Kanton Zürich seien «irritiert und besorgt», heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Freitag.

Schade sei namentlich, dass die Spitalverantwortlichen nicht vorab das Gespräch mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften gesucht hätten, wird Michel Müller, Kirchenratspräsident und Präsident des Interreligiösen Tisches, zitiert.

Das Kispi berief sich für seinen am Donnerstag kommunizierten Entscheid auf ein Urteil des Kölner Landgerichts, wonach das Entfernen der Vorhaut als Körperverletzung gilt. Angesichts der laufenden Debatte über das Thema sei der Kispi-Entscheid voreilig, bei den wenigen Fällen zudem höchst unverhältnismässig.

In erster Linie monieren die Kirchen aber den Eingriff in die Religionsfreiheit von Minderheitsreligionen. Zwei betroffene jüdische Religionsgemeinschaften seien überdies im Kanton Zürich verfassungsrechtlich anerkannt. Es sei zu befürchten, dass künftig Beschneidungen ausserhalb des Spitals, unter hygienisch und medizinisch weniger guten Bedingungen durchgeführt würden.

Jüdische und islamische Organisationen hatten bereits am Donnerstag den Entscheid verurteilt. Auch sie bezeichneten den Beschneidungs-Stopp als Einschränkung der Religionsfreiheit.

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