Kirchenpolitik
Zürcher Reformierten wollen etwas gemächlicher fusionieren

Fast alle reformierten Kirchgemeinden im Kanton Zürich glauben, dass eine über die Gemeindegrenze hinausgehende Zusammenarbeit sinnvoll und notwendig ist. Die Mehrheit befürwortet anstelle von raschen Fusionen aber erst einmal punktuelle Verträge. Dies geht aus der Vernehmlassung zum Reformprozess "KirchGemeindePlus" hervor.

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97.8 Prozent der Kirchgemeinden wollen künftig stärker mit anderen zusammenarbeiten. (Themenbild)

97.8 Prozent der Kirchgemeinden wollen künftig stärker mit anderen zusammenarbeiten. (Themenbild)

Keystone

Nach der Auswertung der Vernehmlassung sieht sich der Kirchenrat der reformierten Kirche Kanton Zürich bestätigt: Dass Reformbedarf bei den Strukturen bestehe, sei in den Kirchgemeinden angekommen, fasste Kirchenratspräsident Michel Müller am Montag vor den Medien zusammen.

So beabsichtigen 97,8 Prozent der Kirchgemeinden, künftig stärker mit anderen zusammenzuarbeiten: 58 Kirchgemeinden favorisierten in der Vernehmlassung einen Zusammenarbeitsvertrag, 46 bevorzugten eine Fusion. Andere Formen - etwa die Schaffung eines Kirchgemeindeverbandes - wurden nur vereinzelt genannt.

Von jenen Gemeinden, die sich für einen Zusammenarbeitsvertrag ausgesprochen haben, sehen 40 Prozent (27 Gemeinden) diese Form als Zwischenschritt auf dem Weg zu einem dereinstigen Zusammenschluss.

Somit würden sich doch 73 der 103 an der Vernehmlassung teilnehmenden Gemeinden ausserhalb der Stadt Zürich zumindest langfristig für ein Zusammengehen aussprechen, hielt Kirchenratsvizepräsident Daniel Reuter fest.

Langsam und vorsichtig zur Fusion

Der Kirchenrat sei weiterhin der Überzeugung, "dass ein Zusammenschluss am nachhaltigsten zu einer nahen, vielfältigen und profilierten Kirche beiträgt", heisst es im Antrag und Bericht zur Vernehmlassung, den der Kirchenrat an die Kirchensynode verabschiedet hat.

In vielen Fällen werde aber eine Fusion "erst das Resultat eines vorsichtigen und langsamen Zusammenwachsens" sein, wie die Vernehmlassung gezeigt habe.

Der Kirchenrat will deshalb auch Gemeinden unterstützen, die gewisse öffentliche Aufgaben gemeinsam erfüllen wollen. Er will dazu einen entsprechenden Leitfaden für Zusammenarbeitsverträge erarbeiten.

Das Ziel müsse dabei sein, dass die Strukturen zweckmässig bleiben und nicht - beispielsweise durch zusätzliche Kommissionen - mehr Ressourcen binden, führte Müller aus. Zudem müssten spätere Fusionen möglich bleiben.

Eine neue Reform-Landkarte

Auf wenig Gegenliebe ist der vom Kirchenrat als Entwurf vorgelegte Reformplan gestossen, der eine mögliche Neueinteilung der Zürcher Kirchgemeinden zeigte. Dieser stiess nur bei 26 Prozent der Befragten auf Zustimmung.

Der Kirchenrat will nun auf ein Regionen-Modell setzen: Mehrere Kirchgemeinden werden - entsprechend ihrer Wünsche - in eine Region eingeteilt. Die Gemeinden können innerhalb ihrer Region Kooperationen oder Fusionen eingehen, dies mit allen anderen oder auch nur mit einzelnen Gemeinden.

Der Prozess soll so offen bleiben und den einzelnen Kirchgemeinden viel Handlungsspielraum lassen, wie Müller ausführte. Mit der Zuteilung zu Regionen soll aber gesichert werden, dass keine "unlogischen Gebilde" entstehen und keine Gemeinde alleine bleibt.

Nur vier Termine - und doch mehr

Beim Zeitplan hält der Kirchenrat grundsätzlich an seinen Plänen fest, wonach es vier Zeitfenster für Zusammenschlüsse gibt. Da die vier Termine 2017, 2019, 2021 und 2023 vielen Kirchgemeinden zu strikt sind, will der Kirchenrat Fusionen aber auch zwischen diesen Zeitfenstern unterstützen.

Er lässt auch die Möglichkeit eines späteren Zusammenspannens offen, wenn "dem formellen Zusammenschluss ein intensiver Prozess des kulturellen Zusammenwachsens vorausgeht".

Der Reformprozess "KirchGemeindePlus" der reformierten Kirche Kanton Zürich startete 2012. Die Landeskirche will damit auf die zunehmenden Herausforderungen reagieren, die sich insbesondere kleinen Kirchgemeinden wegen des Mitgliederschwundes und den gesellschaftlichen Veränderungen stellen.

Das Ziel des Prozesses ist es, den Spielraum und die Entwicklungsmöglichkeiten der Kirchgemeinden durch übergemeindliches Zusammenwirken wieder zu vergrössern. Die Zukunft der Kirche sei regional, hielt der Kirchenrat am Montag fest.

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