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Kolumne

Alexa – Sklavin und Spionin

Früher stand Diktatur für Zwang. Die moderne Diktatur setzt auf Verführung. Andere können das auch, aber Amazon macht das im Moment besser als die meisten andern.
Susan Boos
St. Gallen - Susan Boos WOZ Redaktionsleiterin

St. Gallen - Susan Boos WOZ Redaktionsleiterin

Amazon, veraltet für Amazone – eine Frau, die mit anderen Frauen in den Krieg zog. Die kämpferische Frau von damals ist heute ein Unternehmen, das Krieg mit anderen Mitteln führt. Amazon.com, Inc. revolutioniert die Welt, ohne dass es die Mehrheit sonderlich beunruhigt. Das Unternehmen hat mit popeligem Versandhandel angefangen, heute liegt sein Börsenwert bei 800 Milliarden Dollar – das ist mehr, als die Schweiz in einem Jahr erwirtschaftet.

Amazon verkörpert die neue Weltordnung, gewonnen durch die unsichtbare Macht des Internets. Die meisten Menschen sehen das Internet als immaterielles Gebilde. Was wir uns über den Computer oder das Handy anschauen, ist irgendwo in einer «Wolke» gespeichert. Harmlos schwebt das globale Wissen über uns – ein schönes Bild, aber grundfalsch. Was immer wir im Internet nutzen, ist auf einem Grosscomputer gespeichert. Das Internet basiert auf unendlich vielen Grossrechnern. Wer sie besitzt, hat Macht. Keine Firma auf der Welt besitzt heute so viele Grossrechner wie Amazon. Wir alle nutzen ihre Server, ohne es zu wissen.

«Die Kombination von Alexa und Versandhandel ist clever. Amazon kann damit den gesamten Handel auf den Kopf stellen.»

Amazons Devise heisst: Man will gut sein – oder zumindest gut wirken. Niemand wird zu etwas gezwungen. Und das betreibt die Firma ausgesprochen fantasievoll. In Deutschland gibt es zum Beispiel im Moment grad wieder einmal Zoff, weil Amazon seine Angestellten schlecht behandelt. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bemüht sich persönlich, Amazon beizubringen, warum es Gewerkschaften braucht. Und warum es okay ist, wenn sich Angestellte gewerkschaftlich organisieren. Amazon kann das nicht verstehen. Weil Amazon seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedes Jahr freimütig auffordert, zu kündigen, wenn es ihnen bei Amazon nicht gefällt. Wer geht, erhält sogar 5000 Euro.

Die meisten bleiben, weil sie sonst gar keinen Job hätten. Aus Optik von Amazon bleiben sie, weil sie ihren Arbeitgeber lieben und wie dieser der Überzeugung sind, Gewerkschaften seien überflüssig. Früher stand Diktatur für Zwang. Die moderne Diktatur setzt auf Verführung. Andere können das auch, aber Amazon macht das im Moment besser als die meisten andern. Zum Beispiel mit Alexa: Amazon hat ein Gerät im Angebot, das aussieht wie ein Lautsprecher und «Echo» heisst. Es ist aber nicht primär ein Lautsprecher, sondern ein Empfänger. Eigentlich eine Spionin, die man sich freiwillig in die Stube stellt.

Die Spionin hört auf den Namen Alexa und tut wie eine Sklavin, was man ihr sagt: «Alexa, spiel Musik!», «Alexa, schalte das Licht an!», «Alexa, kauf noch Milch ein!». Die Funktionen von Echo lassen sich in der Schweiz erst beschränkt nutzen, man kann etwa noch nichts direkt über Alexa bestellen. Das soll sich aber bald ändern. Die Kombination von Alexa und Versandhandel ist clever. Amazon kann damit den gesamten Handel auf den Kopf stellen. Das geht nur, weil der Konzern eben über gigantisch grosse Rechnerkapazitäten verfügt. Keine andere Firma hat es bislang geschafft, das Internet und die materielle Welt derart schlau zu verschränken. Und es sieht so aus, als ob die anderen diesen Vorsprung kaum mehr aufholen können – und Amazon immer mächtiger wird.

Nebenbei hört Alexa alle Gespräche mit und speichert sie auf einem Amazon-Computer ab. Den US-amerikanischen Geheimdienst freut es, denn er wird jederzeit darauf zugreifen können, wenn er das für nötig hält. Klar, Alexa braucht man nicht ins Haus zu lassen – aber der Moloch Amazon lässt sich nicht mehr aussperren.

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