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Kommentar

Alle Kantischüler verdienen Fairness

Es sei ungerecht, dass in der Schweiz fast jeder Gymnasiallehrer seine eigenen Maturaprüfungen schreibt, finden Bildungsforscher. Doch jede Autonomie sollte man Mittelschulprofessoren nicht nehmen. Sie könnten die Motivation verlieren, einen herausragenden Unterricht zu gestalten.
Janina Gehrig
Janina Gehrig, Ostschweiz am Sonntag

Janina Gehrig, Ostschweiz am Sonntag

Kommende Woche ist es wieder so weit. Zwischen Blumengesteck, klassischer Musik und feierlichen Ansprachen werden Hunderte Ostschweizer Kantischülerinnen und -schüler ihre Maturitätszeugnisse entgegennehmen. Damit ist für sie mit Ausnahme des Medizinstudiums der prüfungsfreie Zugang zu allen Universitäten der Schweiz gesichert. Doch nicht alle, die sich im Herbst als Erstsemestrige in den Hörsälen tummeln, haben für ihr Eintrittsticket gleich viel geleistet. Die Prüfungen sind nach Kanton, Schule und Lehrer unterschiedlich schwer. Das zeigt auch die Maturitätsquote. Während in Basel-Stadt, Genf und im Tessin bis zu 30 Prozent der jungen Erwachsenen ein Maturazeugnis erwirbt, sind es in der Ostschweiz gerade einmal 15 Prozent.

Das sei nicht nur ungerecht, sondern führe auch dazu, dass rund ein Viertel der Studenten ihr Studium wegen ungenügender Leistungen wieder abbrechen müsse, sagen Bildungsforscher. Seit Jahren fordern sie, Maturanden müssten nach einheitlichen Massstäben beurteilt werden. Einige gehen so weit, Eintrittsprüfungen für die Unis und die ETH zu fordern. Auch der Ruf nach einer national einheitlichen Abschlussprüfung wie in Frankreich, Italien oder manchen deutschen Bundesländern wurde laut.

Das geht nicht nur den Gymnasiallehrpersonen zu weit, die um ihre Autonomie fürchten. Wer von standardisierten Prüfungen ausgeht, verlangt, dass allen das Gleiche auf die gleiche Art gelehrt wird – das ist schlicht unmöglich und vor allem unnötig. So verschieden die Lehrer sind (und sein sollen), so verschieden sind die Zugänge, die sie zu den Themen schaffen. Eine zentralisierte Prüfung ist angesichts der verschiedenen Sprachregionen und Schulsysteme der Schweiz ohnehin kaum umsetzbar. Schliesslich soll die gymnasiale Ausbildung die Schülerinnen und Schüler auch dazu befähigen, sich rasch in neue Sachgebiete einzuarbeiten und allfällige Wissenslücken zu Beginn des Studiums zu füllen.

Dennoch sind Reformen nötig, um die Chancengerechtigkeit zu verbessern. Bereits 2016 empfahl die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) den Kantonen, eine «gemeinsame Prüfungskultur» einzuführen. Nicht alle haben sich der Aufgabe bisher angenommen. Pro Schule und Fach soll es nur noch eine gemeinsame Maturaprüfung geben, die nach bestimmten Kriterien bewertet wird. Der Kanton St. Gallen sieht zudem vergleichende Prüfungen bereits während der Schulkarriere vor. Damit ist aber noch nicht genug getan. Der Austausch zwischen einzelnen Schulen, aber auch zwischen den Kantonen und unter Gymnasiallehrpersonen und Universitätsprofessoren muss verbessert werden. Denn nach den Sommerferien stehen wieder neue Kantischüler vor der Tür. Sie haben faire Bedingungen verdient.

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