Glosse

Apropos: Dichtestress am See

Christian Kamm
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Auch auf die Gefahr hin, dass das den Vorwurf des Bodensee-Chauvinismus nach sich ziehen könnte, will ich mir die Bemerkung nicht verkneifen: Bald beginnt sie wieder, die schönste Zeit des Jahres. Dann, wenn der See allein uns gehört. Den Eingeborenen.

Diesen Sommer war die Herausforderung für Seeuferpatrioten besonders gross. An die schwimmtüchtigen Appenzeller und St. Galler hat man sich längst gewöhnt. Doch diesmal stiessen die Badehungrigen von überall her ans Thurgauer Ufer vor: Innerschweiz, Bern, Aargau, Basel und vor allem: soviel Französisch. Glauben Sie mir, das war für Thurgauer, die fast das Frühfranzösisch abgeschafft hätten, echt gewöhnungsbedürftig.

Unterdessen ist man am Ufer immer öfter wieder allein unterwegs. Es gibt nichts Schöneres als ein Leben als Geheimtipp. Eine gewisse Sorge allerdings bleibt. Wenn die eidgenössischen Corona-Flüchtlinge nächstes Jahr auch ohne Corona wiederkommen sollten, weil es ihnen am Bodensee so gut gefallen hat – ja, was dann?