Kolumne

Apropos: Gut gebuchte Experten

Michael Graber
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Im Fernsehen werden dieser Tage die Experten aus ihren Wohnungen per Skype in die «Tagesschau» geschaltet, Wissenschaftlerinnen für eine Sendung interviewt, und auch Prominente geben ihren Senf dazu. Bild- und Tonqualität sind meist mies, und fast immer sitzen all die Befragten vor dem Bücherregal. Es soll wohl intellektuellen Unterboden geben für das Gesagte: Wer so viele Bücher liest oder zumindest im Regal stehen hat, der muss doch Ahnung haben. Wenn die Expertise live aus der Küche zwischen halbleeren Weinflaschen und Tellern mit eingetrockneten Speiseresten gesendet würde oder aus dem Badezimmer mit Zahnpasta-Resten am grossen Spiegel, würde das sicher unseriöser wirken. Dafür vermutlich lebensnaher.

Wir Printjournalisten müssen uns zum Glück nicht überlegen, wo wir posieren wollen, werden wir doch von solchen Live-Schaltungen aus der eigenen Wohnung verschont. Eine Bücherwand wäre zwar vorhanden, und auch an Zahnpasta- und anderen Resten würde es nicht mangeln, aber ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Deshalb bleiben wir getrost beim Wort.