Kolumne

Apropos: Lieber Täterin als Opfer

Sabine Altorfer
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An die Solothurner Filmtage geht man nicht primär, um sich zu amüsieren. Zu engagiert und seriös wird im heimischen Filmschaffen agiert. Selbst im Trickfilmwettbewerb tauchen wir öfter in dunkle Weltproblemzonen als in fröhlich bunte Herbstwälder ein. Ausgerechnet bei einem zünftigen Feminismusfilm aber wurde viel und herzhaft gelacht. In der Doku «Delphine et Carole» bekam man so hintersinnige wie subversive Werke der Schweizer Videopionierin Carole Roussopoulos und der begnadeten französischen Schauspielerin Delphine Seyrig zu sehen. Sie packten in den 70er-Jahren die Chance, welche das neue, noch nicht von Männern definierte Medium Video bot, um subversiv und lustvoll Klischees über Frauen zu unterlaufen und mit ansteckender Freude eigene Bilder zu kreieren. Schliesslich, so korrigierten sie einen Politiker, heisst Frauenbewegung nicht mouvement pour les femmes, sondern mouvement des femmes. Frau ist lieber Täterin als Opfer.