Kolumne

Aus den Augen, aus dem Sinn geht nicht mehr: die Tücken des Homeoffices

Spielt die Technik mit, bringt Homeoffice viele Vorteile. Länger Schlafen zum Beispiel oder die Möglichkeit, im Schlabberlook zu arbeiten. Etwas habe ich aber unterschätzt: Die konstante Erinnerung an all die Haushaltsarbeiten, die noch auf mich warten.

Livia Fischer
Hören
Drucken
Teilen

Würde meine Mutter spontan auf Besuch kommen, wäre sie stolz – meine Wohnung ist blitzsauber und aufgeräumt. Ich sitze gerade am Esstisch, arbeite von Zuhause aus. Es ist der erste Tag im Homeoffice. Motiviert bin ich, konzentriert weniger.

Livia Fischer

Livia Fischer

Vor mir türmen sich nämlich Umzugskisten. Ich bin zwar schon vor eineinhalb Monaten hier eingezogen, aber der Schrank, indem ich all meine Sachen verstauen will, fehlt noch. Zweimal wurden schon falsche Teile geliefert; auf die richtigen warte ich seit Wochen. Eigentlich nervt mich das nur abends, wenn ich von der Arbeit Nachhause komme und wieder daran erinnert werde. Jetzt nervts mich auch, während ich diese Kolumne schreibe.

Also habe ich einige Kisten ins Schlafzimmer gestellt – dafür steht jetzt der Wäschekorb im Wohnzimmer, direkt vor meiner Nase. Die Erinnerung, dass ich dringend waschen muss. Was ich auch sehe: meine Lampe. Nicht hängend an der Decke, sondern liegend auf einem der Umzugkartons. Hierfür hab ich keine gute Ausrede; bisher war ich einfach zu faul, um sie zu montieren.

Homeoffice in einer frisch bezogenen Wohnung – keine einfache Aufgabe.

Homeoffice in einer frisch bezogenen Wohnung – keine einfache Aufgabe.

Livia Fischer

Mein Blick schweift weiter durch den Raum, stoppt bei meinem Pflanzenregal. Ich frage mich, wann ich die Pflanzen das letzte Mal gegossen habe. Letzte Woche? Vorletzte? Ich weiss es nicht. Ein weiterer Punkt auf meiner To-Do-Liste, die in meinem Kopf gerade so präsent ist, wie schon lange nicht mehr. Am Abend arbeite ich sie ab – damit ich jetzt wieder konzentriert schreiben kann. Ohne Ablenkung und ohne schlechtes Gewissen.

Mehr zum Thema