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Banksy, Pässe und Museen – alles eine Frage des Geldes?

Kolumnistin Monika Roth über das eigentümliche Gebaren vermeintlich grosszügiger Kunstmäzene und anderer Wohltäter.
Monika Roth
Monika Roth. (Bild: Pius Amrein)

Monika Roth. (Bild: Pius Amrein)

Es gibt Goldene Pässe. Mit diesem Begriff beschreibt man die Unsitte, dass Staaten wie Malta und Zypern die Staatsangehörigkeit verkaufen. Natürlich nicht an Hinz und Kunz, also jedermann. Nein: Nur an finanziell sehr potente Interessenten, wobei die Herkunft der Gelder nach dem Motto «legal, illegal, völlig egal» tatsächlich keine Rolle spielt. Schwerreiche Kunden, die Investitionen versprechen – das ist die Kundschaft. Mit einem EU-Pass – das ist sozusagen der Witz der Sache, der mir allerdings keinen Anlass zum Lachen gibt – kann dank Personenfreizügigkeit ganz Europa beglückt und durchaus auch eine Niederlassung in der Schweiz anvisiert werden. Es ist letztlich nichts anderes als Gleichgültigkeit gegenüber Werten, die sich hier manifestiert und die signalisiert: Wenn genug Geldmittel zur Verfügung stehen, verkaufen wir alles. Angeblich ist dieser von moralischem Bankrott zeugende Markt, der sich hübsch «Vergabe von Staatsbürgerschaften» nennt, zu einem Milliardengeschäft geworden.

Dass die EU diese Willkommenskultur besonderer Art nicht untersagt, spricht für sich; gleichzeitig streitet man in der Union – eher öfter als nicht – darüber, ob man Flüchtlingsboote anlegen lassen will. Der EU-Vater würde also seinen Kindern als Gutenachtgeschichte erzählen: Leute mit Geld müsst ihr immer aufnehmen, die anderen kann man ohne weiteres dem weiten Meer überlassen. Dass andere internationale Standardsetter wie die OECD die entsprechenden Staaten nicht auf schwarze Listen setzen, lässt auf fehlendes Rückgrat und auf Opportunismus schliessen. Für solche Defizite ist auch «Londongrad» in den letzten Jahrzehnten bekannt geworden: Grossbritannien als Geldwaschmaschine für Oligarchen, denen im wahrsten Sinne des Wortes Tür und Tor geöffnet wurden. Angeblich sei diese Zeit nun zu Ende – man darf gespannt sein, ob dies eine weitere Heuchelei ist oder ob tatsächlich Remedur geschaffen wird. Viele der auf dubiose Art reich Gewordenen haben nicht nur in Immobilien, sondern auch in Kunst investiert. Kunst gehört zu den prestigeträchtigen «Trophäen» – neben etwa Sportmannschaften und Jachten. Diese Trophäenjagd ist eine der Ursachen, weshalb auf Auktionen und an Kunstmessen jeder noch so absurde Preis bezahlt wird.

Prestige verschafft Bewunderung, einen hohen sozialen Status und die damit verbundene Anerkennung. Man optimiert dabei gerne auch Steuern.

Der Künstler Banksy hat sich mit seiner kürzlichen Schredderaktion seines für teures Geld verauktionierten Werkes «Girl with Balloon» am Geschehen und der Preistreiberei im Kunstmarkt munter beteiligt – was für seine Geschäftstüchtigkeit spricht. Kunst hat etwas mit einem Goldenen Pass gemeinsam: Sie kann einem Zutritt in eine elitäre Welt verschaffen (was nichts mit wirklicher Elite zu tun hat). Prestige und Reputation können damit verbunden sein, und so gehört es heute mehr denn je zu einem Statussymbol, eine eigene Sammlung zu haben, oder noch besser ein eigenes Museum.

Prestige verschafft Bewunderung, einen hohen sozialen Status und die damit verbundene Anerkennung. Man optimiert dabei gerne Steuern in eigener Sache und höhlt dabei die Kulturbudgets der Staaten aus. Lieber lässt man sich das eigene, von einem Stararchitekten erbaute Denkmal viel kosten. Man adelt sich steuerabzugsfähig sozusagen selbst damit. Ich habe diesen Herbst auf der schönen Insel Porquerolles (Naturschutzgebiet) die Villa Carmignac angeschaut, die 300 Werke beherbergt, welche von einem reichen Franzosen (Finanzbranche, geschätztes Vermögen 1,8 Milliarden US-Dollar) gesammelt wurden. Als erstes habe ich bedauert, dass diese Insel (die ich nicht wegen der Sammlung besucht habe) nun noch mehr überlaufen wird, weil das Museum als neues Must propagiert wird – in einem geschützten Gebiet. Und ich habe mich geärgert über das lächerliche Gehabe, mit dem man als Gast konfrontiert wird: Man muss nämlich – und das wird ultimativ befohlen – mit nackten Füssen durch die Räume gehen. Einen sachlichen Grund dafür gibt es nicht. Es zeigt die angestrebte «Besonderheit um jeden Preis». Die Kunst, die ausgestellt wird, ist nämlich nicht nur ein bisschen déjà-vu – solches habe ich schon vielfach gesehen, einfach in anderen privaten Sammlungen oder an der Art Basel.

Es sind grösstenteils die Künstler, die alle Super-Reichen sammeln. Nämlich «Kunst von Siegern für Sieger». Der Besitz von Werken bestimmter Künstler wird zum Zeichen: Man gehört dazu und der Preis spielt keine Rolle; man kann ihn bezahlen. Wolfgang Ullrich (vom dem dieser Begriff stammt) schreibt in seinem sehr lesenswerten Buch mit dem Titel «Siegerkunst» von diesen Mechanismen. «Siegerpässe». Ich finde, der Künstler Banksy sollte alle sofort schreddern, in Tütchen verpacken, diese nummerieren, signieren und zu Gunsten der Flüchtlinge verkaufen.

Monika Roth ist Rechtsanwältin und Professorin an der Hochschule Luzern.

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