Kolumne

Bordsteine in Luzern: ein Herz aus Stein

Sportredaktor Turi Bucher über die blau-weisse Randbemalung in der Stadt Luzern. 

Turi Bucher
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Soeben bin ich von einer Indonesien-Reise in die Schweiz zurückgekehrt. Ich kann Ihnen sagen, dieser Verkehr, dieser Stau in Jakarta! Und erst die Randsteine in den Strassen. Alle schwarz-weiss. Die sind wirklich überall, die Fans des FC Lugano.

In Luzern andererseits wurden die offenbar von Fans des FC Luzern blau-weiss bemalten Bordsteine am Bundesplatz unterdessen wieder (rein)gewaschen. Ordnung muss sein, das hat die Regierung der Stadt Luzern hartherzig entschieden, passend zur Jahreszeit regiert wieder Grau. Die spontane Kunst erntete zwar zahlreiche Sympathiebekundungen, aber: Wenn das jeder machen würde, wo würden wir denn da hinkommen! Ja, wo sind wir denn hier eigentlich! In der Schweiz natürlich. Also auch noch Strafanzeige gegen unbekannt.

Eine kurze, unverbindliche und nicht aussagekräftige Umfrage bei meiner Redaktions-­Top-Ten ergibt ein 5:5; hier die Gruppe locker&bunt, da die Gruppe steif&grau. Jetzt ist es halt nur noch eine Redaktions-Top-Five. 55 Jahre Stadt Luzern, ja, ich glaube wirklich, jedes Trottoir und jede Strassenkante zu kennen, das ist in (Rand-)Stein gemeisselt, und jetzt muss ich auch noch den Stichentscheid fällen: Pro Locker bin ich sowieso. Pro Blau-weiss und pro FCL auch, die haben bei mir alle einen (Rand-)Stein im Brett – ich bleibe geduldig, beim nächsten FCL-Sieg wird mir ein (Rand-)Stein vom Herzen fallen.

Ja, die berühmten Bordsteine von Luzern. Sie werden das Löwendenkmal als touristische Attraktion nicht konkurrieren. Ich stelle mir vor, wie dereinst chinesische Touristengruppen mit dem Car an den Bundesplatz geführt werden, Parkplatz vor dem FCL-Fanlokal Zone 5. «Qing xùnsù xià chē» («bitte zügig aussteigen», via Google Translate übrigens auch fürs Ohr sehr empfehlenswert) ruft der Asiate mit dem (blau-weissen?) Fähnchen seiner schnappschussbereiten Gruppe zu. Und erzählt: «Es begab sich also in einer Samstagnacht, als der Nebel vom Pilatus herunterstieg, dass dreist grinsende Gestalten aus den Gassen traten und begannen, die Bordsteine blau-weiss zu bemalen. Doch plötzlich fegte ein nasskalter Wassergeist mit grimmig-eisernem Besenbart über den Platz. Man munkelt, das blau-weisse Gespenst spuke seitdem tief in der Nacht am Bundesplatz.»