Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar

Die Sexualität nach Bischof Huonder: Beischlaf nur während der Menstruation

Verhütung ist Teil einer Kultur des Todes: Bischof Vituos Huonder sorgt mit seinen Aussagen zum Thema Empfängnisverhütung für Empörung. Die Sexualität ist für ihn reine Männersache.
Odilia Hiller

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Odilia Hiller, Leiterin «Ostschweiz am Sonntag»

Odilia Hiller, Leiterin «Ostschweiz am Sonntag»

Mit seinem am Freitag publizierten Hirtenbrief zum Thema Empfängnisverhütung schiesst der Churer Bischof gegen fast alles, was der aufgeklärte Mensch über einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sexualität gelernt hat. Im ehrlichen Versuch, die Überlegungen eines alten, im Zölibat lebenden katholischen Geistlichen dennoch nachzuvollziehen, konsumiert man das zwölfseitige Dokument möglichst unvoreingenommen.

Anfangs geht es noch knapp. Es ist Vitus Huonders gutes Recht, sich für traditionelle Werte der Ehe einzusetzen und sich kinderreiche Familien zu wünschen. Tugenden wie Selbstdisziplin, Mässigung oder Selbstbeherrschung sind per se auch noch nichts Schlechtes. In verschiedenen Bereichen des Lebens haben sie schon gute Dienste geleistet.

Dann aber, ab etwa der Hälfte, geht es steil bergab mit des Bischofs Klarsicht. Das uneingeschränkte Loblied der natürlichen Empfängnisverhütung ist etwa das Verdrehteste, was ein Exponent einer Landeskirche seit langem abgesondert hat. Den Tiefpunkt erreicht die Analyse des Bischofs mit der Feststellung, die Entkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung durch künstliche Verhütung führe dazu, dass der Mann die Frau nicht mehr als «Person» respektiere.

Wegen Pille & Co. sehe er sie nur noch als «reines Objekt der Triebbefriedigung», zitiert der Bischof einen, der vor 50 Jahren Papst war. Im Klartext: Mit der Möglichkeit der künstlichen Empfängnisverhütung sind Frauen zu Sexpuppen verkommen. Wo doch zuvor jahrtausendelang alles so respektvoll vor sich gegangen war.

Das ist hanebüchen, lächerlich und beleidigend – für Frauen und für Männer. Das Schlimmste: Huonder spricht der Frau praktisch jede Verantwortung und Mitsprache an der Gestaltung von Ehe, Sexualität und Fortpflanzung ab.

Der grosse, starke Ehemann allein hat mit Charakter und Selbstbeherrschung in der Hand, ob er viele oder «nur wenige» Kinder zeugt. Je nachdem, ob er es schafft, sich während der fruchtbaren Tage der Frau kurz zu beherrschen. Wohl, anstatt sie permanent zu besteigen, wie er es sonst täte.

Dass die Schrift in die Feststellung mündet, Verhütung sei Teil einer Kultur des Todes, weil sie potenzielle Kinder an der Menschwerdung hindere, vermag das Niveau des Bischofs kaum noch zu senken. Denkt man auch dies zu Ende, bleibt den Schäfchen Huonders übrig, unzählige ungewollte Kinder zu gebären, weil sie sich als katholische Sünder während der fruchtbaren Tage der Frau dann doch nicht beherrschen können.

Oder sie weichen für den Sex auf die Tage während der Menstruation aus. Weil sie da wenigstens auf Nummer sicher gehen können – und der Mann der Gattin seine ganzheitliche Liebe so richtig schön beweisen kann.

Mehr zum Thema

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.