Auf ein Wort: Berndeutsch für Anfänger

Niklaus Bigler
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Niklaus Bigler war über 30 Jahre lang Redaktor beim Idiotikon, dem Schweizerdeutschen Wörterbuch.

Niklaus Bigler war über 30 Jahre lang Redaktor beim Idiotikon, dem Schweizerdeutschen Wörterbuch.

Ein alter Spottspruch lautet: Nüschti, gäng und aube, säge d Bäärnerchauber. Mit drei Wörtlein glaubte man das Berndeutsche beschreiben und eingrenzen zu können. Heute ist nüschti (dennoch, immerhin) wie das gleichbedeutende notti ein kurioses Relikt, das ich selbst noch nie gehört habe, nicht einmal von einem Berner. Gäng, geng oder ging (immer) dient bis heute zur Charakterisierung der Berner Sprache, obwohl das Wort auch im Wallis und im Freiburgischen anzutreffen ist. Und bei albe (früher, jeweils) wird es kompliziert: Als «typisch Berndeutsch» gilt die Form aube, die auf albe zurückgeht. Aube oder albe gibt es aber auch in den Kantonen Freiburg, Solothurn, im Entlebuch und sogar noch da und dort im oberen Baselbiet. Im Luzernischen und im Südaargau heisst es alle bzw. (vokalisiert) auwe, in der angrenzenden Innerschweiz allig.

Damit wird klar, dass all diese Formen auf all-wäg zurückgehen, eine häufige Floskel, die mancherorts auch «wohl, vermutlich» bedeutet, sich dann aber lautlich von der Floskel für «jeweils» in der Regel unterscheidet. Im Aargau dominiert die Form ame, in Schaffhausen amed, im Kanton Zürich amig(s) und weiter östlich amel. Wenn wir noch die Angaben für Glarus und das südliche St. Gallerland im Sprachatlas nachschauen, nämlich albig und albi(g)s, dann zeigt sich, dass das «berndeutsche» aube, albe nicht so einzigartig dasteht in der Deutschschweizer Sprachlandschaft.

Der Übergang von Berndeutsch zu Ostschweizerisch ist für einmal ziemlich fliessend. Ein anderer, bekannterer Spruch zum Wesen des Berndeutschen scheint mir aktueller: Schang gang hei, King wei Hung (die Kinder wollen Honig).