Café Fédéral
Roger Köppel und die Legende von den Koffern voller gefälschter Stimmen

Als Trump gewählt wurde, war Roger Köppel aus dem Häuschen. Dessen Abwahl verarbeitet er nun auf ganz eigene Weise.

Christoph Bernet
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Roger Koeppel im Dezember 2020 im Nationalratssaal.

Roger Koeppel im Dezember 2020 im Nationalratssaal.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Die Beziehung zwischen SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel zum US-Präsidenten Donald Trump begann stürmisch: «Bei jeder Wasserstandsmeldung, die Trump vorne zeigte, tanzte ich mit geballter Faust durchs Büro», beschrieb Köppel seine Reaktion auf dessen Wahl 2016 in einem Editorial.

Die Faszination hielt an. Kurz nach der Amtsübernahme Trumps schrieb Köppel im Februar 2017, dass Angst vor dem Populisten im Weissen Haus nicht angezeigt sei. Schliesslich sitze dieser «im wohlkonstruierten Gefängnis des amerikanischen Rechtsstaats». Dieser Rechtsstaat hat nun in über 40 Gerichtsverfahren unmissverständlich die Rechtsmässigkeit von Joe Bidens Wahl festgehalten. Die Klagen des Trump-Lagers waren dermassen haltlos, dass sie ausnahmslos, auch von republikanischen Richtern, abgelehnt wurden.

Trumps Anhänger erstürmten letzte Woche dennoch das Kapitol, um Bidens «gestohlene Wahl» zu verhindern. Sie glauben weiterhin an zigfach widerlegte Falschmeldungen von Wahlbetrug. Etwa den von Ermittlern entkräftete Vorwurf, Wahlhelfer in Atlanta hätten Koffer mit gefälschten Stimmen unter einem Tisch hervorgeholt.

Die Koffer-Legende stelle Roger Köppel letzte Woche in seiner Youtube-Sendung als Beweis für Wahlbetrug dar und als Erklärung für den Zorn der Kapitol-Erstürmer. Wie für Trumps Fans gilt auch für Köppel der Satz des Dichters Christian Morgenstern: «Weil, so schliesst er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.»