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Glosse

Das Sparsamkeitsprinzip des VBS

Viola Amherd, Chefin des Verteidigungsdepartement (VBS), tritt nach diversen Spesenskandalen resolut auf die Spassbremse. Eine Glosse.
Pascal Hollenstein
Pascal Hollenstein

Pascal Hollenstein

Rauschende Mitarbeiteranlässe, Generäle, denen die Kreditkarte locker im Portemonnaie sitzt, gegenseitige Einladungen auf Bundeskosten – das Verteidigungsdepartement (VBS) hatte in den letzten Monaten eine Reihe von Skandalen und Skandälchen zu bewältigen. Die Regeln sind nun verschärft worden, Chefin Viola Amherd ist resolut auf die Spassbremse getreten. Man fragt sich indes: Wie konnte derart barocke Verschwendungssucht überhaupt erst entstehen? Womöglich deshalb, weil im VBS der Begriff «Sparsamkeit» gar nicht bekannt war?

Diesen Schluss jedenfalls legt ein Papier des departementsinternen Revisorats nahe. Die bernischen Erbsenzähler beschreiben die «Sparsamkeit» darin, als handle es sich um ein komplett unbekanntes Phänomen, das zunächst einer akkuraten wissenschaftlichen Vermessung bedarf.

«Landläufig wird als Sparsamkeit die Tugend bezeichnet, mit der ein massvoller Umgang mit Geld und anderen Ressourcen gepflegt wird», dozieren die Revisoren im «Prüfbericht A 2019-10». Und weiter: «Als negativer Gegensatz wird die Verschwendung genannt.»

Ob und wann ein Gegensatz auch einmal positiv sein könnte, zumal, wenn der Gegensatz selber negativ wäre, und ob ein laut VBS «negativer Gegensatz» nicht etwas gar arg negativ ist, verschweigen die Revisoren in ihrem Aufsatz.

Doch während wir noch grübeln, überraschen uns die Revisoren bereits mit weiteren Erkenntnissen aus der Sparsamkeitsforschung: «Eng mit der Sparsamkeit ist das Minimalprinzip verbunden. Hier wird versucht, ein festgelegtes Ergebnis (Output) mit einem minimalen Aufwand (Input) zu erreichen.» Und jetzt kommt es: «Das Minimalprinzip wird auch als Sparsamkeitsprinzip oder als Haushaltsprinzip bezeichnet.»

Wir fassen zusammen: Der negative Gegensatz vom Haushaltsprinzip ist die Verschwendung, deren vermutungsweise positiver Gegensatz einen minimalen Input, aber einen festgelegten Output aufweist, eine Tugend ist, und landläufig «Sparsamkeit» genannt wird.

Alles klar? Nicht? Die Revisoren können auch anders: «Sobald zum Beispiel teure Hotels, Helikopterflüge und Alkoholkonsum in Kombination» geplant würden, sei «äusserste Vorsicht» geboten, schreiben sie. Gut, im Gegensatz zu diesem Sparsamkeitsprinzip kennt das ja jeder. Wir nennen es das Fliege-nicht-betrunken-mit-dem-Helikopter-im-Hotel-herum-Prinzip. Oder das Lass-Dich-nicht-erwischen-Prinzip? Danke, liebes VBS, damit kann man arbeiten.

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