Kommentar

Dass es in den Zügen an Kundenbegleitern fehlt, ist ein Armutszeugnis für die SBB

Stefan Ehrbar
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Die SBB-Kundenbegleiter wehren sich. Sie werfen der Bahn vor, Zusagen nicht einzuhalten. Immer öfter müssten sie alleine arbeiten – auf Zügen spätabends, die sie als gefährlich empfinden, oder auf langen Kompositionen, die ein Mensch alleine kaum überblicken kann.

Schon bei den Lokführern plante die Bahn am Bedarf vorbei. Deshalb fallen Züge aus. Wenn im Intercity ein Mitarbeiter weniger durch die Gänge läuft, scheint das auf den ersten Blick zwar nicht so tragisch. Auf der Strecke bleiben aber der Service und das Gefühl, sicher ans Ziel zu kommen.

«Unterwegs zuhause» lautete 2014 der Slogan einer SBB-Kampagne. Das Personal, damals noch Zugbegleiter genannt, stand im Fokus der Werbespots, in denen eine junge Frau durchs Land tingelte und dem Personal stolz ihr GA vorwies. Mittlerweile müsste man eine solche Kampagne als realitätsfremd bezeichnen: In den Intercitys erhält man das Personal oft genug gar nicht mehr zu Gesicht.

Der Fehler der Kundenbegleiter ist das nicht. Sie sind nicht zu beneiden: Alleine müssen sie immer mehr Kunden beaufsichtigen. Pöbeleien häufen sich. Nun kommen noch mühsame Diskussionen mit Maskenverweigerern hinzu. Dass die SBB schon Sicherheitspersonal einsetzen müssen, um die Unterbestände zu kompensieren, ist ein Armutszeugnis – für die von der Planung überforderten SBB-Kader genauso wie für gewisse Teile der Kundschaft.