Kommentar

Der SVP fehlt es nicht nur an Führung – sondern auch an Sympathieträgern

Kommunikations-GAU bei der Begrenzungsinitiative - und Verzicht der einzigen Frau auf eine Kandidatur fürs SVP-Präsidium: Die grösste Partei der Schweiz macht zwei Monate vor der Abstimmung über ihre Volksinitiative einen chaotischen Eindruck.

Patrik Müller
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Patrik Müller

Patrik Müller

Toni Brunner war in der Sache knallhart, aber mit seinem Lachen, das in keiner «Giacobbo/Müller»-Sendung fehlen durfte, ein Sympathieträger. Peter Spuhler, Natalie Rickli, Ulrich Giezendanner, geschweige denn Adolf Ogi: Die SVP verfügte in der nationalen Politik stets über populäre Figuren, die weit über die SVP-Stammwählerschaft hinaus Punkte holten.

Doch wer macht in der SVP 2020 Schlagzeilen, und wie? Andreas Glarner, Kandidat für das SVP-Präsidium, verwendet seine Zeit für Facebook-Blödeleien, wie diese Woche mit seinem Aldi-Post. Christoph Blocher polarisierte zwar auch zu seinen besten Zeiten, aber er wirkte zugleich gmögig und schalkhaft; heute kommt er – siehe Rentenforderung von 2,77 Millionen – verbittert rüber.

Am Freitag erlebte die SVP gar den kommunikativen GAU: Sie publizierte ein Abstimmungssujet für ihre Begrenzungsinitiative. Mit einem Ja werde die Schweiz «nicht weiter zubetoniert», hiess es darauf – das hinterlegte Bild zeigte, kaum zu glauben, das Holocaustmahnmal in Berlin.

In den sozialen Medien brach ein Shitstorm los, darauf entschuldigte sich die SVP. Ihr sei ein «Riesenlapsus» unterlaufen. Aber solche Fehler dürfen nicht passieren. Sie wären in der SVP, die bezüglich Kampagnen in den letzten 20 Jahren führend war, noch vor kurzem undenkbar gewesen.

Spätestens seit der Wahlniederlage im vergangenen Herbst ist die Partei aus dem Tritt. Sie wirkt führungslos, ja chaotisch. Umso wichtiger wäre es, für die Nachfolge von Parteichef Albert Rösti – den man zurzeit kaum wahrnimmt – eine überzeugende Persönlichkeit zu finden.

Möchte nicht Präsidentin der SVP Schweiz werden: Martina Bircher.

Möchte nicht Präsidentin der SVP Schweiz werden: Martina Bircher.

Fabio Baranzini

Martina Bircher hätte der männerlastigen Partei gut getan

Nationalrätin Martina Bircher, die aufstrebende Aargauerin, galt bei vielen als Hoffnungsträgerin. Sie hat zwar wenig Erfahrung, verfügt aber über den in der SVP rar gewordenen Sympathiefaktor und über politisches Talent. Sie hätte der männerlastigen Partei gutgetan. Doch nun verzichtet sie.

Wo ist der neue Toni Brunner? Wo ist der Mann oder die Frau, der oder die die SVP nach innen eint und nach aussen so repräsentiert, dass sich auch Schweizer angesprochen fühlen, die keine klassischen Parteigänger sind?

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