Kommentar

Die Coronafälle explodieren: Jetzt steht der Schweizer Weg auf dem Prüfstand

«Wir können Corona», sagte Bundesrat Berset im Mai, als die Infektionszahl massiv gesunken war. Aber können wir Corona auch jetzt noch? Die Zweifel nehmen zu. Die Schweiz steht gerade am kritischsten Punkt seit dem Frühling.

Patrik Müller
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Patrik Müller.

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Sandra Ardizzone / INL

Gewiss, man darf die Infektionszahl eines einzelnen Tages nicht überbewerten. Aber die gestern vermeldeten 2823 neuen Coronafälle lassen einen zusammenzucken. Die Zahl ist doppelt so hoch wie der Höchstwert, der im Frühling registriert wurde. Auch der 7-Tage-Schnitt hat sich innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt.

Gewiss, die Hospitalisationen liegen weit unter den Werten des Frühlings, ebenso die Zahl der Todesfälle. Aber auch sie steigen, und es liegt in der Logik der Statistik, dass nach den vielen Neuinfektionen – es kann sich nicht nur um junge Menschen handeln – die Spitaleinlieferungen zunehmen werden.

Das Spital Schwyz verbreitete gestern einen Hilferuf: Nun müsse reagiert werden, sonst könne das Spital die Situation nicht mehr stemmen. Es sollte eine Warnung sein für das ganze Land.

Jetzt steht nichts weniger als der Schweizer Weg auf dem Prüfstand. Er zeichnet sich durch Eigenverantwortung aus. Nirgendwo sonst in Europa wurde der Alltag soweit normalisiert wie bei uns. Tausende strömen wieder in die Sportstadien. Weite Teile der Wirtschaft laufen auf Volllast. Nirgendwo sonst ist die Rezession so milde wie bei uns. Zum Glück!

Der Schweizer Weg ist ein Erfolgsweg. Bis jetzt. «Wir können Corona», sagte Bundesrat Berset im Mai.

Bald könnte ein anderes berühmtes Zitat wieder aktuell werden, dasjenige von Bundespräsidentin Sommaruga von Mitte März: «Jetzt muss ein Ruck durch unser Land gehen.»

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