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Kleinkram-Pyromantik

Autor Andreas Bättig über die Liebe zum 1.-August-Feuerwerk.
Andreas Bättig
In einigen Schweizer Kantonen hat die Regierung eine Feuerwerksverbot verhängt. Bild: Dominik Wunderli (25. Juli 2018)

In einigen Schweizer Kantonen hat die Regierung eine Feuerwerksverbot verhängt. Bild: Dominik Wunderli (25. Juli 2018)

Liebe Jugendliche, ich fühle mit euch. Das schlimmste 1.-August-Szenario könnte eintreffen: Feuerwerksverbot! Mögen die Behörden sicher Recht haben, für einen Feuerwerksteufel, wie ich einer war, wäre das die Hiobsbotschaft des Jahres gewesen. Jahrelang kaufte ich mir allerhand Chlöpfzeug beim Feuerwerksstand und jagte als Landbub das Zeug am Waldrand in die Luft. Dabei schossen ich und meine Kumpels keineswegs grosse und spektakuläre Raketen in den Abendhimmel. Zu schnell wäre unser Sackgeld sprichwörtlich verpufft gewesen. Deshalb investierten wir in nicht ganz ungefährlichen Kleinkram.

Die Mutter aller Chinaböller war für uns der Thunder – pardon – der «Tönder». Etwa so gross wie ein Mittelfinger und doppelt so dick, konnte der Tönder visuell rein gar nichts, akustisch jedoch viel. Zündete man ihn an, flog eine Sprengkugel in die Luft, die mit einem höllisch lauten Knall explodierte. Für uns war aber sofort klar, dass dieser Tönder eigentlich vor allem eine Bestimmung hat: ihn zweckzuentfremden. Leichter als am 1. August kam man als Minderjähriger nicht an Sprengstoff ran. Gesprengt wurde vieles. PET-Flaschen: gesprengt! Erdhügel: gesprengt! Wespennester: gesprengt! Katzen: natürlich nicht gesprengt! Ausser Wespen kamen zum Glück keine Tiere zu Schaden. Auf der Action-­Skala gleich hinter dem Tönder rangierten die kleinen und grossen «Schmetterlinge». Wobei der Name etwas irreführend ist. Einmal angezündet tänzelten die Pyro-Schmetterlinge nicht wie ihre Namensgeber romantisch-flockig-leicht durch die Luft. Sie hoben zischend und funkelnd wie ein brennendes UFO vom Boden ab und schossen dann in einem Affenzahn unberechenbar in eine Richtung. Die Adrenalinschübe beim Ausweichen waren das Risiko offenbar wert.

Wer jetzt denkt, dass der Bättig und seine Kumpels verdammt grosse Umweltverschmutzer seien und dass der Bauer und insbesondere seine Kühe wohl nicht grosse Freude an all dem Abfall hatten, dem sei gesagt: Genauso spannend wie das Abfeuern war das Abfall-Sammeln. Wer kann am meisten sammeln? Wer das spektakulärste Objekt? King war der, der das Fallschirmchen der Fallschirmraketchen fand. All das steht heuer auf dem Spiel. Immerhin als kleiner Trost: Das gesparte Sackgeld kann 2019 gleich doppelt in Kleinkram-Pyrotechnik investiert werden. Sprengt jedoch keine Wespennester, ihre Bewohner werden hässig, und Vorsicht bei den Schmetterlingen. Ansonsten. Lasst es 2019 chlöpfen! Euer Kleinkram-Pyromantiker.

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