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Kommentar

Die logische Merkel-Erbin

Analyse zur Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Vorsitzenden.
Christoph Reichmuth, Hamburg
Christoph Reichmuth

Christoph Reichmuth

Die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Chefin offenbart, wie gespalten die Partei nach 18 Jahren Angela Merkel ist. Hier das Lager jener, die sich eine Rückbesinnung auf konservativere Werte wünschen, da die knappe Mehrheit, die allzu grossen Experimenten eine Abfuhr erteilt. Zugleich folgt die – wenn auch hauchdünne – Wahl von AKK, wie Kramp-Karrenbauer genannt wird, auch einer Logik.

AKK ist nicht, wie es oft hiess, ein Merkel-Klon. Sie ist in den letzten Wochen durchaus auf Distanz zur Kanzlerin gegangen, auch wenn sie Merkel grundsätzlich loyal gegenübersteht. Freilich: Von ihrem Pragmatismus her sind beide Frauen miteinander vergleichbar. Die zumindest gefühlte Nähe zur Kanzlerin wurde da und dort auch als Schwäche von AKKs Kandidatur ausgelegt.

Indes verspricht AKK der Partei unter dem Gesichtspunkt des Machterhalts eher Erfolg als Herausforderer Friedrich Merz. Kramp-Karrenbauer vertritt deutlicher als Merz die drei Strömungen, die es innerhalb der Partei gibt: Die 56-jährige Katholikin kann Brückenbauerin sein zum christlich-sozialen, zum wirtschaftsliberalen und zum national-konservativen Flügel.

Mit AKK fällt es der CDU leichter, das
Kanzleramt zu verteidigen

In den letzten Wochen hat sie sämtliche Positionen betont. In der Bevölkerung geniesst die vormalige saarländische Ministerpräsidentin höhere Beliebtheitswerte als Friedrich Merz, der sich die letzten Jahre von der grossen Politik ferngehalten hatte, um sich in der Wirtschaft zu betätigen. Die Delegierten haben gestern aber nicht nur eine neue Vorsitzende gewählt, sondern indirekt auch die Kandidatin für die nächsten Bundestagswahlen. Mit AKK dürfte es für die Partei leichter sein, das Kanzleramt zu verteidigen, als mit Merz, der stark polarisiert. Wahlen gewinnt man in der Mitte.

AKK will die CDU zu alter Stärke führen, das wären um die 40 Prozent Wähleranteil. Das klingt allerdings illusorisch. Auch in Deutschland ist die Zeit der alles dominierenden Volkspar­teien vorbei, in der politischen Mitte buhlen mit den Grünen, der SPD, der FDP und der Union mehrere Kräfte um Wähler. Die Polarisierung der Ränder ist auch dem Zeitgeist geschuldet und keinesfalls nur Angela Merkel, die ihre Partei in die politische Mitte gezogen und damit am rechten Rand eine Repräsentationslücke hinterlassen hat, in die die AfD gestossen ist.

Doch kann die Partei unter AKK die AfD zumindest schwächen, wenn künftig wieder alle Strömungen innerhalb der Partei berücksichtigt werden – also auch jene moderaten National-Konservativen und Traditionalisten bei der CDU wieder eine Heimat finden, die sich zuletzt aus Frust von der Partei abgewandt haben. «Raus aus dem Gemischtwarenladen», meint dazu die «Zeit» – und spielt auf eine Beliebigkeit der politischen Positionen in der CDU an. Tatsächlich agierte die Partei unter Merkel oftmals opportunistisch, über Jahre von den Christdemokraten verteidigte Positionen wurden über Bord geworfen, um für mehr Wähler in der politischen Mitte interessant zu werden.

Es wird wieder um Inhalte gerungen

So zweigeteilt die Partei sein mag, die Spaltung kann sie überwinden. Die letzten Wochen wirkten wie ein Frühlingserwachen für viele in der CDU, es wurde wieder um Positionen und Inhalte gerungen, es wurde debattiert, wie es in der autoritären Merkel-Zeit kaum vorgekommen war. Die Befreiung von Merkel und die Phase der Findung einer neuen Führung könnten für die CDU befreiend wirken.

Apropos Merkel: Die 64-Jährige ist bis 2021 als Kanzlerin gewählt. Mit AKK an der CDU-Spitze ist es möglich, dass sie ihre Amtszeit auch zu Ende bringt. Vielleicht entschieden sich im letzten Moment auch deshalb einige Konservative für die Wahl von AKK, weil sie Experimente scheuen: Ob das Tandem Merkel-Merz lange gehalten hätte, ist ungewiss. Ein Regierungsbruch und Neuwahlen sind momentan für viele in der CDU ein zu grosses Risiko.

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