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Kommentar

Die Ostschweiz braucht eine starke Zeitung

Das Jahr 2018 war mies. Und 2019 wird für die privaten Schweizer Medien kaum besser. Sparen ist unumgänglich. Ob mit Journalismus im digitalen Zeitalter noch genug Geld verdient werden kann, ist offen. Gesellschaft und Politik müssen sich deshalb der Frage stellen: Wollen sie weiterhin unabhängige und starke Regionalmedien?
Stefan Schmid
Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

Das Jahr ist fast vorbei – Zeit, Bilanz zu ziehen. Um es vorwegzunehmen: Es war für die Schweizer Medien kein gutes Jahr. Die Anzahl Printabonnenten schrumpft. Die Inserateeinnahmen sind rückläufig. Beides belastet die Ertragslage. Sparen ist bei dieser Zeitung, die zu CH Media gehört, unumgänglich. Dort, wo es möglich ist, etwa im überregionalen Teil der Ausgabe, sollen noch mehr Synergien mit Partnerblättern genutzt werden.

Doch jammern bringt niemanden weiter: Studien zeigen, wie relevant namentlich die gedruckte Presse für den Meinungsbildungsprozess in der demokratischen Gesellschaft nach wie vor ist. Reaktionen aus unserer Leserschaft und von Meinungsmachern beweisen: Die Medien werden als ein wichtiger Faktor für das gesellschaftliche Zusammenleben wahrgenommen. Vereine, Politikerinnen, Gemeindepräsidenten und Kulturinstitutionen kämpfen darum, in ihrer Hauszeitung stattzufinden. Regionale Titel wie das «Tagblatt» und seine Regionalausgaben bleiben Dreh- und Angelpunkt der öffentlichen Debatte. Das schlägt sich in den Leserzahlen nieder, die im Print stabil sind und im Netz weiter wachsen.

Kurz und schlecht: Die grosse gesellschaftliche Bedeutung der klassischen Medien hat sich vom ökonomischen Erfolg der Verlagshäuser, welche anständig dotierte Redaktionen zu finanzieren haben, weitgehend entkoppelt. Die Frage stellt sich daher, ob es für guten Journalismus überhaupt einen Markt gibt. Oder ob wir in der analogen Vergangenheit, als sich Verleger selbst mit mittelmässigen Produkten eine goldene Nase verdienten, einem Trugschluss aufgesessen sind.

Die Vermutung liegt nahe, dass Journalismus gar nie ein selbsttragendes Geschäftsmodell war. Die Verleger verdienten ihr Geld primär mit Anzeigen. Wer eine neue Wohnung suchte, ein Auto kaufen oder einen anderen Job suchen wollte, musste eine Zeitung kaufen. Diese Zeiten sind für immer vorbei. Das Internet hat das Geschäftsmodell der Presse zerstört. Und die Erschliessung neuer Ertragsquellen – etwa im digitalen Bereich – entpuppt sich als mühsames Stückwerk.

Die Kombination aus sinkenden Werbeeinnahmen im Print und einer noch nicht erwiesenen Online-Zahlungsbereitschaft der Leserschaft ist ein Giftcocktail. Wer glaubt, die Medienhäuser kämen damit irgendwie schon zu Rande, könnte sich irren. In den USA gibt es ganze Landstriche, die medial nicht mehr abgedeckt werden. Wenn es so weitergeht, blüht Ähnliches auch der Schweiz. Städte und Gemeinden, ja gar ganze Kantone, über die nicht mehr unabhängig berichtet wird, dürften Realität werden. Für einen föderalistischen Staat, wo verhältnismässig viel Steuergeld auf unteren Ebenen ausgegeben wird, wäre das fatal. Behörden könnten unkontrolliert schalten und walten, wie ihnen beliebt. Wollen wir das wirklich?

Die grosse Frage ist: Muss die öffentliche Hand eingreifen? Die direkte Finanzierung der Presse durch den Staat ist heikel. Wie soll ein Kommentator oder eine Reporterin die Arbeit eines Regierungsrats kritisch würdigen, wenn dieser letztlich das Einkommen der Journalisten garantiert? Der Staat hat längst nicht immer ein Interesse daran, dass behördliche Machenschaften ans Licht kommen. Gleichzeitig sollte er jene Kräfte finanzieren, die ihm potenziell auf den Schlips stehen. Schwierig. Bleiben indirekte Fördermassnahmen wie billigere Posttarife, Ausbildungs- oder IT-Zuschüsse: Doch ausgerechnet in diesem Punkt ist das von Bundesrätin Doris Leuthard aufgegleiste Mediengesetz eine einzige Enttäuschung. Es wird in dieser Form nichts dazu beitragen, den Krebsgang der traditionellen Medien zu stoppen.

Das Jahr 2019 wird turbulent bleiben. Wir Medienschaffende sind herausgefordert. Und auch Sie als treue Leserinnen und Leser sind gefragt. Sind Sie bereit, für unabhängige Medien einen Preis zu bezahlen – auch digital? Wir wünschen Ihnen alles Gute im neuen Jahr. Wir zählen auf Sie.

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