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Kommentar

Die Ostschweiz braucht mehr Zug

St.Gallen feiert seinen neuen Bahnhof. Der Festtag sollte Ansporn sein, den Bahnausbau entschlossen voranzutreiben. Unsere Region braucht schnellere Verbindungen nach Zürich. Und sie darf den Anschluss ans europäische Hochgeschwindigkeitsnetz Richtung München-Berlin nicht verpassen.
Stefan Schmid
Der neue SBB-Doppelstockzug "St. Gallen" an der offiziellen Einweihung des neu gestalteten Bahnhofs. (Bild: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der neue SBB-Doppelstockzug "St. Gallen" an der offiziellen Einweihung des neu gestalteten Bahnhofs. (Bild: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Da stehen sie nun also, die Honoratioren von Stadt, Kanton und SBB, und katapultieren Konfetti in den St.Galler Bahnhofshimmel. Schön ist er geworden, der wichtigste Verkehrsknoten der Ostschweiz. Eine anmächelige Bahnhofshalle, helle und deutlich breitere Passagierzugänge allenthalben. Und, man hat sich schon fast daran gewöhnt, eine binäre Uhr, die für St.Gallens Innovationsgeist stehen soll, wie Stadtpräsident Thomas Scheitlin stolz verkündet.

Stefan Schmid. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

Stefan Schmid. ©Benjamin Manser / TAGBLATT

Nicht-Ostschweizern wie SBB-Chef Andreas Meyer fällt zuerst freilich der Wurst-Stand im Glas-Kubus auf. Alleine deswegen lohne sich die Reise in den Osten. Schön und gut. Solange wir Ostschweizer nicht auf Würste reduziert werden, haben wir da grundsätzlich nichts dagegen.

Ein neuer Bahnhof und ein frisch möblierter Bahnhofplatz sind wahrlich Grund für ein tolles Fest – Regen hin oder her. Es war Zeit für eine Auffrischung. Jetzt stellen wir beruhigt fest: Sie hat sich gelohnt. Der alte, latent vor sich hin gammelnde Bahnhofplatz machte eine schlechte Falle. Die Stadt St.Gallen und damit die ganze Ostschweiz haben eine bessere Visitenkarte verdient. Diese haben sie nun bekommen, auch wenn selbstredend noch nicht alle zufrieden sind mit den Bauten am Bahnhof.

Wir sollten das festliche Wochenende jedoch nicht ausschliesslich dafür nutzen, die Uhr zu studieren, Handwerkern und Architekten zu danken und die geschätzten Bundesbahnen hochleben zu lassen. Betrachten wir doch das Fest als Startschuss für eine bahnpolitische Offensive der ganzen Ostschweiz. Die St.Galler Ständeräte Karin Keller-Sutter (FDP) und Paul Rechsteiner (SP) haben es vorgemacht, wie man in Bern mit Nachdruck für berechtigte Anliegen wie etwa den längst fälligen Doppelspurausbau im Rheintal einsteht.

Werden wir also etwas weniger festlich und halten fest: Es ist eine Zumutung, dass die Fahrt von St.Gallen nach Zürich (knapp 80 km), bald 20 Jahre nach Inkrafttreten von Bahn 2000, immer noch länger als 60 Minuten dauert. Viel zu lange hat man die Ostschweiz hingehalten - und andernorts investiert. Die Beschleunigung dieser Strecke muss zügig an die Hand und spätestens in den Ausbauschritt 2030/35 der Bahn integriert werden. Gleichzeitig ist auch der Ausbau des Bahnhofs St.Gallen zu einem sogenannten Vollknoten dringlich. Dieser Ausbau ist nötig, um die Dichte im Regionalverkehr signifikant zu erhöhen.

Der Hinweis von SBB-Chef Andreas Meyer am gestrigen Festtag, die Ostschweizer müssten halt vermehrt den Zug benutzen, um derlei Investitionen auszulösen, kommt etwas salopp daher. Der erfolgreiche Ausbau der S-Bahn Zürich zeigt, es läuft oft umgekehrt: Wo das Angebot gut ist, steigen die Passagierzahlen von alleine an.

Der nächste Meilenstein für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist indes die 2020 abgeschlossene Beschleunigung der Strecke St.Gallen-München. Die bayrische Millionenstadt wird dannzumal in nur mehr zweieinhalb Stunden – statt wie bisher dreieinhalb – erreichbar sein. Das ermöglicht neue, schnelle Verbindungen über München hinaus in Richtung Berlin, Prag oder Wien.

Die Ostschweizer Politikerinnen und Politiker sollten diesen bevorstehenden Ausbau als Chance erkennen und zusammen mit den SBB die Anbindung der Region an ein internationales Hochgeschwindigkeitsnetz entschlossen vorantreiben. Die Ostschweiz ist nicht (mehr) die Endstation am Rande der Schweizer West-Ost-Achse. Sie liegt mitten an einer hoch attraktiven Strecke zu wichtigen Städten Europas.

Heute stösst die Bevölkerung auf den neuen Bahnhof an. Und morgen schon gilt es, die Arbeiten für mehr Zug aufzunehmen. Attraktive Anschlüsse nach West und Ost sowie ein konkurrenzfähiges regionales S-Bahnnetz – warum nicht ergänzt mit Tramlinien von Gossau über St.Gallen bis Wittenbach – sind Voraussetzungen für eine prosperierende Region.

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