Kommentar

Die Zahl 137 hat den Bundesrat aufgeschreckt – doch eine pauschale Maskenpflicht im ÖV ist fragwürdig

Eben noch wollte der Bundesrat nichts wissen von einer Maskenpflicht in Zügen und Bussen. Die heute vermeldete Zahl der Neuinfektionen trug zum Sinneswandel bei. Ein Hauch von Panik liegt in der Luft. Eine schlechte Figur machen die Kantone.

Patrik Müller
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Patrik Müller.

Patrik Müller.

Bild: Sandra Ardizzone

Der heutige Bundesratsentscheid markiert eine Zäsur. Nach wiederholten Lockerungen der Coronamassnahmen hat die Regierung die Schraube erstmals wieder angezogen. Zum Sinneswandel dürfte die Entwicklung der Neuinfektionen geführt haben: 137 Coronafälle innerhalb von 24 Stunden wurden heute Morgen gemeldet – diese Zahl liess auch die Bundesräte zusammenzucken.

Die Schweiz ist bislang gut durch die Pandemie gekommen, doch jetzt befindet sie sich in einem kritischen Moment. Gelingt es, die Kurve flach zu halten? Oder bildet sich die viel beschworene zweite Welle? Die Kehrtwende in der Maskenfrage und die Tatsache, dass gleich vier Bundesräte vor die Medien traten, zeigen: Die Nervosität steigt.

Noch am Montagabend hatte Gesundheitsminister Alain Berset gesagt, nun stünden die Kantone und nicht mehr primär der Bundesrat in der Pflicht, die ausserordentliche Lage sei vorbei. Nur zwei Tage später übernimmt Berset wieder die Führung. Nicht ohne Grund. Denn die Kantone wollten die Macht zurück, sie erhielten sie auch – und verpassten es, bei den Masken und auch bei Bars und Clubs überzeugende, abgestimmte Konzepte vorzulegen. Eine Bankrotterklärung.

Das ändert allerdings nichts daran, dass die pauschale Maskentragepflicht fragwürdig ist. Die meisten Züge sind schwach besetzt, eine Stunde lang mit Maske in einem leeren Zug zu sitzen, das macht wenig Sinn.

Aber dem Bundesrat ging es um Grundsätzliches. Mit dem Maskenbefehl setzt er zwei Zeichen. Erstens: Die Lage ist ernst. Zweitens: Wenn Eigenverantwortung nicht funktioniert, dann gibts wieder Zwang, wie im Lockdown.

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