Kommentar

Diese Ostschweizer müssen
im Wahlherbst zittern

Am Sonntag wissen wir, wer neben Paul Rechsteiner neuer St.Galler Ständerat wird. Danach richten sich alle Augen auf die nationalen Wahlen im Herbst. Die Momentaufnahme in den Ostschweizer Kantonen zeigt: Die SVP könnte zwei Sitze verlieren. Grüne, FDP und GLP sind in Lauerstellung. 

Stefan Schmid
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Für diese Bisherigen könnte es im Herbst an den Nationalratswahlen eng werden: Thomas Ammann (CVP, SG), Barbara Keller-Inhelder (SVP, SG) und David Zuberbühler (SVP, AR). (Bilder: PD)

Für diese Bisherigen könnte es im Herbst an den Nationalratswahlen eng werden: Thomas Ammann (CVP, SG), Barbara Keller-Inhelder (SVP, SG) und David Zuberbühler (SVP, AR). (Bilder: PD)

Morgen ist es soweit: Der Kanton St.Gallen ist im Ständerat wieder komplett. Ein Wunder ausgenommen, dürfte der neue Standesvertreter Benedikt Würth (CVP) heissen.

Nach dieser Episode taucht die Politik bald in die Sommerferien ab, ehe es im August zügig in Richtung Nationalratswahlen geht, die am 20. Oktober stattfinden. Eine gute Gelegenheit also, die Ausgangslage in der Ostschweiz zu betrachten.

Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid. (Bild: Benjamin Manser)

In St.Gallen sind zwölf Sitze zu verteilen. Zittern müssen nach heutigem Formstand die SVP (5 Sitze) und die CVP (3 Sitze), die beide je ein Restmandat zu verteidigen haben. Die SVP hat zwar personell eine starke Liste. Besonders gespannt darf man sein, ob Parteisekretärin Esther Friedli der Sprung nach Bern gelingt. Die Toggenburgerin dürfte dies aber nur auf Kosten eines bisherigen Nationalrats schaffen.

Akut gefährdet ist Barbara Keller-Inhelder, die so still politisiert, dass man sich zuweilen fragt, ob sie überhaupt noch in Bern ist. Sollte die SVP, wie Umfragen es suggerieren, Stimmen verlieren, droht indes einem weiteren amtierenden Nationalrat der Sitzverlust.

Bei der CVP konnte sich Olma-Chef Nicolo Paganini in seinem ersten Berner Jahr bereits da und dort in Szene setzen. Kollege Thomas Ammann aus dem Rheintal dürfte daher eher über die Klinge springen, sollte die Partei Stimmen einbüssen. Das Mandat von Bauernchef Markus Ritter ist unbestritten.

Beim Freisinn hat Marcel Dobler seinen Sitz auf sicher. Für den zweiten Platz ist Susanne Vincenz in der Pole-Position. Die Abtwiler Anwältin machte im laufenden Ständeratswahlkampf bella figura. Ihr Bekanntheitsgrad im Kanton hat sich erhöht. Gefährlich werden könnte ihr allenfalls Karin Weigelt, die Tochter von alt Nationalrat Peter Weigelt. Die im Sarganserland wohnhafte ehemalige Spitzenhandballerin dürfte mit vollen Schatullen in den Ring steigen. Im Unterschied zu Susanne Vincenz verfügt sie indes über einen bescheidenen politischen Leistungsausweis.

Bei der SP sind die Sitze von Claudia Friedl und Barbara Gysi im Trockenen. Ein drittes Mandat scheint illusorisch. Dafür haben die Grünen Chancen, wieder in den Nationalrat einzuziehen. Ihre Liste mit Spitzenkandidatin Franziska Ryser ist gut besetzt, die Klimadebatte omnipräsent. Auch die Grünliberalen sind nicht chancenlos. Vorausgesetzt, es gelingt der Partei, noch eine bekannte Figur auf ihre Liste zu hieven.

Ohne die St.Galler Stadträtin Sonja Lüthi fehlt derzeit ein Zugpferd.

Wichtig wäre eine kluge Listenverbindung. Allein steht die GLP auf verlorenem Posten.

Spannend dürfte das Rennen in Appenzell Ausserrhoden werden. SVP-Nationalrat David Zuberbühler ist bei Volkspartei-Sympathisanten zwar beliebt, doch ausserhalb dieses Zirkels ist die Fangemeinde überschaubar. Der Schuhunternehmer aus Herisau ist ein strammer Rechter.

Gelingt es dem Ausserrhoder Freisinn und der SP, gemeinsam eine starke (weibliche) Gegenkandidatur aufzustellen, könnte der Wahlherbst für «Zubi» ungemütlich werden.

Im Innerrhodischen ist der Sitz von CVP-Mann Daniel Fässler vakant, der an der Landsgemeinde in den Ständerat gewählt wurde. Im Kleinkanton wird auffallend oft der Name des ehemaligen Säckelmeisters Thomas Rechsteiner genannt, sobald von der Nachfolge die Rede ist. Offen bleibt, ob weitere Kandidatinnen oder Kandidaten auftauchen.

Im Thurgau schliesslich dürfte parteipolitisch alles beim Alten bleiben. Drei Sitze für die übermächtige SVP, die zünftig einbrechen müsste, um Federn zu lassen.

FDP, CVP und SP können ihre Sitze wohl verteidigen. Grünliberale und Grüne dürften zwar zulegen, Überraschungen sind nicht auszuschliessen.

Doch nüchtern betrachtet müsste sehr viel passieren, damit sie einen der bisherigen Nationalräte verdrängen oder der SVP einen Sitz abspenstig machen könnten. Bleibt nur die Pointe eines jeden Politbeobachters: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.