Kommentar

Die Wahl zum Ministerpräsidenten war ein folgenschwerer Flirt mit der Macht – und hat massiven Schaden verursacht

Der am Mittwoch zum Regierungschef von Thüringen gewählte FDP-Mann Thomas Kemmerich legt sein Amt nach nur einem Tag nieder. Ein Kommentar.

Fabian Hock
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Redaktor Fabian Hock.

Redaktor Fabian Hock.

CH Media

Zwischen Thomas Kemmerichs Wahl und seiner Rücktrittsankündigung lag nicht einmal ein ganzer Tag. Ein kurzer Flirt mit der Macht. Die Zeit hat jedoch gereicht, um seiner FDP, genau wie der CDU, massiven Schaden zuzufügen.

Kemmerich hatte sich am Mittwoch mit den Stimmen der AfD zum Regierungschef in Thüringen wählen lassen. Die Empörung war riesig. Gestern wurde der Druck zu gross, Kemmerich lenkte ein. Der Schaden war allerdings angerichtet. Die Bürgerlichen und die Liberalen, die stets betonen, mit der AfD nicht kooperieren zu wollen, springen bei der ersten Gelegenheit über das Stöckchen, das ihnen die AfD hinhält.

Glaubwürdigkeit sieht anders aus. Dass es so weit kommen konnte, fällt auf CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und FDP-Chef Christian Lindner sowie auf die Kanzlerin zurück. Sie liessen ihre Landesverbände gewähren. Und Angela Merkel hat bewiesen, dass ihre Taktik, die AfD lieber totzuschweigen, statt sich mit der Partei und den Problemen ihrer Wähler zu beschäftigen, endgültig gescheitert ist.

Ob die Grosse Koalition die Episode überlebt, ist nicht sicher. Führende SPDler bemühen sich seit zwei Tagen, FDP und CDU mit der Höcke-AfD unter eine Decke zu stecken.

Die AfD hat mit einem kleinen Polit-Trick die etablierten Parteien in grosse Schwierigkeiten gebracht – und damit einmal mehr entlarvt, wie unsouverän diese gegenüber der AfD noch immer auftreten.