Kommentar

Föderalismus: Beim Test durchgefallen

Mitten in der Krise irritiert die Autonomie der Kantone in verschiedenen Bereichen. Nach anfangs unterschiedlichen Ausgangsregelungen geht es nun bei den Tests auf Covid-19 weiter: Wer sich testen darf ist nicht einheitlich geregelt.

Sabine Kuster
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Sabine Kuster

Sabine Kuster

Bild: Sandra Ardizzone

In beiden Basel, beiden Appenzell, ab morgen in Luzern und bald in Bern können sich alle Leute auf Covid-19 testen lassen, die Fieber und Husten haben. Auch wenn sie keiner Risikogruppe angehören. In der übrigen Deutschschweiz muss ein Erkrankter zu Hausebleiben und jeglichen Kontakt meiden, bis er wieder gesund ist. Zwar sollten wir alle momentan möglichst wenig Kontakt haben – aber immerhin laufen gemäss Schätzungen 80 Prozent der Schweizer Wirtschaft noch und die Leute fehlen so teilweise unnötig. Zudem ist klar: Wer sicher ist, dass er das Virus hat, verhält sich anders.

Der Föderalismus hat viele Stärken. Das zeigt sich gerade in den Schweizer Universitäten, wo unabhängig voneinander neue, schnellere und zuverlässigeren Tests gesucht - und gefunden werden. Und Föderalismus funktioniert auch meist gut in unserem Land – im Normalzustand.

Mehr Test-Kits werden jetzt produziert. Es ist davon auszugehen, dass bald überall in der Schweiz grossflächiger getestet werden kann. Aber es wird ein schaler Nachgeschmack zurückbleiben: Die Schweiz verharrt selbst in dieser Krisenzeit in erstaunlich vielen Bereichen im Föderalismus-Modus. Und der Bund lässt es geschehen. Dabei geht es jetzt um Ressourcen: Es macht wenig Sinn, dass sich jeder Kanton für sich überlegt, ob man ein Testcenter organisieren soll – und schon gar nicht, dass jeder einzeln so viele Test-Kits zu beschaffen versucht wie möglich.