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Kommentar

Frauenmörder laufen zu lange
frei herum – damit muss Schluss sein

Alleine in dieser Woche haben in der Schweiz zwei Männer ihre Frauen umgebracht. Jede zweite Woche wird eine Frau Opfer von tödlicher männlicher Gewalt. Höchste Zeit, diesen Kriminellen entschlossener das Handwerk zu legen.
Stefan Schmid
Stefan Schmid, Chefredaktor. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid, Chefredaktor. (Bild: Benjamin Manser)

Nicht schon wieder: In Zürich Albisrieden erschiesst am Freitag mutmasslich ein Rentner seine Ehefrau und richtet sich dann selbst. Zuerst Frauenmord gefolgt von einem Suizid. Es ist der siebte Mordfall im Kanton Zürich alleine in diesem Sommer.

Aufsehen erregend auch der Fall von Anfang Woche in Dietikon: Ein 37-jähriger Mann tötet seine getrennt von ihm lebende 34-jährige Ehefrau. Der Mann war bei der Kapo Zürich aktenkundig. Der Täter hatte zeitweise ein Kontaktverbot. Die Polizei wies ihn zudem nur Stunden vor der Tat von der Wohnung seiner Frau weg. Es half nichts. Er schlug trotzdem zu.

Die Muster ähneln sich. Männer jeglichen Alters und verschiedenster soziokultureller Herkunft bringen ihre Frauen, Kinder oder Ex-Partnerinnen um. Der Ort des Geschehens: Die Familie. Laut NZZ musste die Polizei alleine im Kanton Zürich im vergangenen Jahr täglich 15 Mal wegen häuslicher Gewalt ausrücken. Fünf der sieben Tötungsdelikte im Kanton geschahen im familiären Umfeld. Die Zahl der Strafanzeigen nahm um 15 Prozent zu.

Kaum beruhigender ist das Bild auf gesamtschweizerischer Ebene: 2018 wurden insgesamt 27 Tötungen (24 davon Frauen) im häuslichen Rahmen registriert. Mit anderen Worten: Fast jede zweite Woche wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht. Eine erschreckende Realität.

Wo liegt das Problem? Selbstredend bei den Tätern. Oft handelt es sich dabei um Männer mit einer narzistischen Persönlichkeitsstörung, welche die Frau als ihren Besitz betrachten. Sagt sie sich eines Tages von ihrem Gebieter los, hat sie es in den Augen dieser kranken Gestalten nicht mehr verdient, weiterzuleben.

Höchste Zeit, das Thema Femizid – Mord an Frauen – stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Im Unterschied zum geschlechtsneutralen Wort Homizid bringt dieses Wort eine bewusst gegen Frauen gerichtete Gewalt zum Ausdruck. Angesichts der Systematik, die hinter Femiziden steht, ist es verharmlosend, von Familiendramen zu sprechen, wie dies Polizei und Medien oft tun. Frauen werden umgebracht, weil sie Frauen sind. Das hat mit einem Familiendrama nichts zu tun.

Die entscheidende Frage aber ist, wie es der Gesellschaft gelingt, Frauen besser vor der Gewalt ihrer Männer zu schützen. Es wäre gewiss zu simpel, der Polizei die Schuld in die Schuhe zu schieben. Wie Johanna Bundi Ryser, die oberste helvetische Polizistin, gegenüber der «Schweiz am Wochenende» sagt, mangelt es primär an gesetzlichen Grundlagen, potenzielle Täter rechtzeitig in Präventivhaft zu nehmen. Hat sich jemand nichts Gravierendes zuschulden kommen lassen, ist es für die Polizei schwierig, ihn aus dem Verkehr zu ziehen.

Eine Debatte darüber, unter welchen Umständen einem potenziellen Mörder das Handwerk gelegt werden kann, ist unausweichlich. Möglicherweise wäre ein griffiger Stalking-Straftatbestand hilfreich. Klar aber ist: Zwischen der Wahrung von Grund- und Freiheitsrechten sowie dem berechtigten Anliegen, Frauen zu schützen, besteht ein Spannungsfeld.

Zwingend verbessert werden muss der Informationsaustausch zwischen involvierten Ämtern. Häufig identifiziert eine Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde schon früh auffällige Personen. Auch Sozialämter sind mit dubiosen Gestalten konfrontiert. Doch landen diese Erkenntnisse aus Gründen des Datenschutzes oft nicht bei der Polizei. Es kann nicht sein, dass der Datenschutz potenzieller Täter höher gewichtet wird als das Schutzbedürfnis der Frauen.

Wäre die Situation umgekehrt – würde jede zweite Woche eine Frau ihren Ehemann ermorden –, hätte dies die männlich dominierte Politik dieses Landes längst auf den Plan gerufen. Da es aber meist Frauen betrifft, beschleicht einem der Eindruck, die Herren der Schöpfung nähmen die Entwicklung nicht ernst genug. Damit muss Schluss sein. Nicht nur im Interesse der Frauen. Sondern auch im Interesse der überwiegenden Mehrheit der Männer, die «ihre» Partnerinnen korrekt behandeln.

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