Kein Rassismus – und doch Rassismus

Die angebliche Weigerung einer Zürcher Boutique, einer US-Fernsehmoderatorin eine Krokodilleder-Tasche zu verkaufen («zu teuer für Sie!»), und das angebliche Badi-Verbot für Asylbewerber in Bremgarten: Diese zwei Ereignisse erwiesen sich diese Woche als weltbewegend. Die Schlagzeilen von «Spiegel», «BBC» und «CNN»: Rassismus! Schweiz Tourismus entschuldigte sich für den Vorfall in Zürich, Bundesrätin Simonetta Sommaruga erklärte sich dem ZDF zum Fall Bremgarten.

SaW Redaktion
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Damit sind die Storys für die meisten ausländischen Medien wohl beendet. Die Karawane zieht weiter. Der unmittelbare Schaden für die Schweiz? Alles halb so wild, deswegen reist kaum ein Tourist weniger hierher. Und die 35 000 Franken teuren Taschen in der Zürcher Boutique verkaufen sich nun plötzlich prima. So what? Damit wären die Storys eigentlich auch für uns beendet.
Nur, sie sind zu entlarvend. Entlarvend, zunächst, für das Funktionieren der Mediengesellschaft. Alle übernahmen die Version von Oprah Winfrey, die sie in einem TV-Interview zum Besten gab. Als dann die ersten Journalisten die Ladenbesitzerin fragten, wie sich Winfreys Besuch aus ihrer Sicht abgespielt habe, und die das ganz anders darstellte, ging das unter im Shit Storm gegen die Verkäuferin, die Boutique, Zürich und die Schweiz überhaupt. Winfrey habe die Tasche gar nicht haben wollen, lautet die Version der Verkäuferin. Die Winfrey-Version aus dem TV – vielleicht nur eine Ente.
Das Badi-Verbot in Bremgarten wiederum löste sich mit jedem Wochentag ein Stück weit auf. Die Behörden widersprachen sich, bis am Freitag – viel zu spät – Simonetta Sommaruga Klarheit schuf: Es gibt kein Badi-Verbot. Mit einer kleinen Pointe – zum Glück kam Winfrey nicht auf die Idee, die Bremgarter Badi aufzusuchen – könnte man die beiden Storys nun endgültig beenden.
Wenn da nicht ein weiterer Punkt wäre, der entlarvend ist: die Reaktionen gewisser Leute. Wie Winfrey in Internet-Foren von einigen Kommentatoren beschimpft wurde – d a s war rassistisch. Auch, was zur Badi-Verbots-Debatte zum Teil gesagt wurde. Und wes Geistes Kind ist ein Stadtammann, der an der Bremgarter Fasnacht folgenden Schnitzelbank vortrug? Er lautet: «Mir stecke die Asylante vo Bärn ids Hallebad ine und muureds dänn zue, dänn hämmer grad dopplet eusi Rueh.»
Rassistisch sind nicht Versuche, Rayonverbote für Asylbewerber zu erlassen, und rassistisch ist schon gar nicht, was sich in der Zürcher Boutique zugetragen hat.
Dass es aber auch in der Schweiz Rassismus gibt: Das haben die beiden Storys trotzdem gezeigt.
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