Kolumne: Landauf, landab
Alles und sofort

Alles und sofort. So hat es ein Redaktor in seinem Leitartikel auf Neujahr formuliert. Gemeint hat er damit die Alles- und Sofort-Mentalität, welche in den letzten Jahren unser Konsumverhalten verändert hat.

Ruedi Lustenberger, alt Nationalrat
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Ruedi Lustenberger aus Romoos.

Ruedi Lustenberger aus Romoos.

Bild: Pius Amrein

Bei den Lebensmitteln: Bananen aus Ecuador, Fische aus der Südsee oder Rindsfilet aus Uruguay. Bei der Buchung von Ferien: Neuseeland, Brasilien und Hawaii stehen zuoberst auf der Liste. Beim Kauf eines Autos: Mindestens ein Dreilitermotor muss schon unter der Haube sein. Und das alles mit einer Selbstverständlichkeit, an die Klimaverträglichkeit wird keinen Augenblick gedacht.

Corona hat uns nun zwangsweise zum Masshalten verurteilt. Es kommt mir vor, wie beim Turmbau zu Babel. Dort hat man – vor 4000 Jahren– auch gemeint, alles sei möglich. Und plötzlich, so mindestens erzählt es die Geschichte, haben die Bauleute sich nicht mehr verstanden, weil jeder in einer anderen Sprache zu reden begann.

Es wäre eine politische Aufgabe, der Alles- und Sofort-Mentalität Einhalt zu gebieten. Aber, solange die Rechte die globalisierte Wirtschaft verherrlicht und die Linke diese zu Recht in die Schranken weisen will, dafür aber eine Willkommenskultur für Wirtschaftsmigranten anpreist, welche wiederum von rechts ablehnend als schöngeistige Verirrung apostrophiert wird – so lange wird nichts daraus.

Was Corona allenfalls schaffen kann, ist eine Rückbesinnung auf die regionalen und nationalen Kreisläufe, und zwar wirtschaftlich wie migrationsmässig. Wir haben nicht mehr allzu lange Zeit. Packen wir es an – alles und sofort.

Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.