Kolumne «Schnee von gestern»
Die kalte Jahreszeit kann kommen

Unser Autor ist in Sachen Kleidung bestens für den Winter gerüstet – dank einer Schwäche für Schnäppchen.

Hans Graber
Hans Graber
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Mit den ersten morgendlichen Bodenfrösten gilt es, einen prüfenden Blick in den Kleiderschrank und ins Schuhschäftchen zu werfen. Bin ich gerüstet für die kalte Jahreszeit? Ich bin! Da sind noch zwei dicke, nie getragene Jacken. Ein nagelneuer Norwegerpulli. Eine flott gefütterte Hose, noch mit dem Preisschild dran. Sowie etwas schwermütig stimmende Thermounterwäsche. Zwei Faktoren führen zu diesem Überangebot. Zum einen habe ich einen Hang, mir mehr vom Gleichen zuzulegen. Wenn ich das – nicht durchwegs zutreffende – Gefühl habe, etwas stehe mir besonders gut, kaufe ich gerne auf Vorrat ein zweites, praktisch identisches Stück. Ab und zu sogar ein drittes.

Der zweite Faktor: Ich bin ein relativ sparsamer Mensch, für Wintersachen warte ich meist den Ausverkauf ab, also wenn es wieder Richtung Frühling geht und man eigentlich keine Wintersachen mehr braucht. Solche Käufe gehen dann oft vergessen. Oder sie entpuppen sich als Missgriff, getätigt nur aufgrund wahnsinniger Rabatte. Manchmal arbeitet die Zeit für solche Betriebsunfälle. Irgendwann gelten sie (wieder) als schick. Ob das auch für meine schwarze und etwas zu grosse «Bomberjacke» gilt, die mir die Erscheinung eines Dorfpfarrers gibt, ist fraglich. Wenn ich sie selten einmal trage zu Hause, fragt meine Frau jeweils, wann denn die Predigt beginnt.

Bei Rabatten wird unser Autor schwach.

Bei Rabatten wird unser Autor schwach.

Symbolbild: Stefan Bohrer/Keystone

Der spektakulärste Kauf im letzten Winter war aber nicht ein Kleidungsstück, sondern ein Paar beheizbare Sohlen, erstanden für 29.90 Franken bei Aldi. Versprochen wurde «angenehme Wärme bis zu 12 Std., individuell in 2 Stufen regulierbar». Ich habe sofort zugegriffen, weil kalte Füsse der Ursprung allen Schlotterlebens sind. Leider musste man die Sohlen selber auf die für einen passende Grösse zuschneiden. Die Schilderung dieses Vorgangs schenke ich Ihnen. Das Hantieren mit der Schere ist und bleibt einer meiner Schwachpunkte.

Zudem war ich der abstrusen Meinung gewesen, man könne die Sohlen aufladen und sie dann in die Schuhe einbetten. Aber natürlich ist es ganz anders: Aufgeladen zu Hause werden zwei Akkus, zirka von der Grösse eines Zigarettenpäckchens. Diese Akkus müssen mit einem Klemmbügel an den Schuhen befestigt und mit den Sohlen verkabelt werden. Ich besitze nur ein Paar Schuhe, bei denen das überhaupt einigermassen möglich ist. Die ganze Installation wirkt an mir wie eine Fussfessel, die man Gefängnisinsassen während des Hafturlaubs umschnallt.

Aber zur Rehabilitierung der Heizsohlen: Sie funktionieren! Sie wärmen die Füsse auf, bei Stufe Grün bis zu 40, bei Stufe Rot bis zu 50 Grad. Menschen wie etwa Diabetiker, die an sensorischen Störungen leiden und Wärme nicht richtig wahrnehmen können, werden vor Verbrennungen gewarnt. Überhaupt ist die Gebrauchsanleitung voller Warnhinweise, bis hin zur Explosionsgefahr der Akkus infolge «unsachgemässen Umgangs». Das könnte bei mir leicht der Fall sein.

Obwohl ich mit den Fussfesseln nie öffentlich in Erscheinung getreten bin, habe ich sie nicht entsorgt. Vermutlich lege ich sogar noch eine Schippe drauf. Aldi bietet seit Donnerstag für 24.99 Franken eine beheizbare Velo-Sitzunterlage an, einsetzbar auch als Wärmekissen. Zwar gehe ich davon aus, dass auch hier eine Explosion des Akkus nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, aber eine Art Bombe unter dem Hintern kann einem sicher tüchtig einheizen. Und selbst wenn stattdessen die latente Gefahr mehr für kalte Füsse sorgen sollte, wäre ich ja auf alle Fälle gerüstet.

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