Kolumne
«Zuger Ansichten» Der Wert unserer Nahrung

Kantonsrätin Rita Hofer setzt sich für die Trinkwasserinitiative ein.

Rita Hofer, Kantonsrätin ALG, Hünenberg
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Trinkwasser hatte in der Schweiz das Gütesiegel von sauber und bedenkenlosem Genuss direkt ab dem Wasserhahn. Die Wasserqualität nach heutiger Beurteilung ist bedenklich und verdient den Stempel mit dem Gütesiegel «sauber und bedenkenlos» nicht mehr. Im Interesse unserer Gesundheit müsste dieser Qualitätsverlust eines der lebenswichtigsten Nahrungsgrundlagen auch mit höchster Priorität angegangen werden.

Rita Hofer.

Rita Hofer.

Bild: PD

Durch eine fehlgeleitete Agrarpolitik werden gesundheitliche Schäden für Menschen und deren Lebensgrundlagen in Kauf genommen. Folgekosten im Gesundheitswesen werden ein weiterer Faktor sein, den wir bezahlen müssen.

Die Landwirtschaft spielt in unserer Nahrungsmittelversorgung eine wichtige Rolle. Dass der Bund die landwirtschaftliche Produktion mit grossen Summen an Subventionen unterstützt, ist grundsätzlich nicht in Frage zu stellen. Es ist aber bedenklich, dass wir eine Agrarpolitik betreiben, die es Chemiefirmen ermöglicht in verschiedenen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktionen mitzubestimmen, das heisst vom Bau der Landmaschinen bis zur Verarbeitung der Nahrungsmittel.

Fachleute belegen, dass mehr als eine Million Menschen in der Schweiz Wasser trinkt, das Grenzwerte für Pestizide bis zu 30-fach überschreitet. Die Bundesämter für Umwelt (BAFU) und für Landwirtschaft (BLW) haben 2008 die Umweltziele Landwirtschaft (UZL) publiziert. Sie beruhen auf bestehenden rechtlichen Grundlagen und umfassen die Bereiche Biodiversität, Landschaft, Klima und Luft, Wasser, Boden und Gewässerraum. Die Bilanz zeigt, dass bisher jedoch keines der 13 Ziele vollständig erreicht wurde. Es besteht also weiterhin Handlungsbedarf insbesondere bei der Biodiversität, den klimarelevanten Treibhausgasen (Methan, Lachgas), dem Stickstoff (Ammoniak, Nitrat) und bei der Bodenfruchtbarkeit besonders hoch.

Die Sorge, dass die Nahrungsmittelsicherheit bei einer Annahme der Pestizid-Initiative bedroht sei, kann ich nicht ganz nachvollziehen, wenn wir es uns leisten können Unmengen von Nahrungsmittel zu entsorgen!

Haushalte, Gastronomie, Detailhandel und die Landwirtschaft verantworten jährlich 2,6 Tonnen Lebensmittelabfälle. Die Agrarwirtschaft kann es sich leisten, dass Lebensmittel bereits bei der Ernte auf dem Feld liegen bleiben, nicht einmal als Angebot in den Detailhandel gelangen, da sie nicht der «Norm» entsprechen. Zu klein, zu gross, eine etwas eigene Form, das passt nicht in die Auslage im Detailhandel.

Dabei enthalten diese aussortierten Produkte dieselben Nährstoffe und sind genauso wertvoll und würde auch die Möglichkeit bieten für günstigere Angebote. Die Konsumentinnen und Konsumenten wurden in der Vergangenheit auf Billig-Produkte getrimmt. Preise möglichst in die Tiefe drücken und zusätzlich mit billigen Importprodukten nachhelfen. Wir haben als Gesellschaft den Wert und den Respekt zu unserer Nahrung verloren. Es braucht wieder eine Sensibilisierung der Kundinnen und Kunden und eine grössere Wertschätzung unserer Nahrung, die nicht als Wegwerfware im Abfalleimer landet.

Belastete Böden, überschrittene Grenzwerte im Trinkwasser, das können wir nicht sorglos zur Kenntnis nehmen. Die Ausrichtung einer umweltverträglichen Landwirtschaft können wir mitbestimmen und zweimal ein Ja in die Urne legen!

In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.