Kommentar
Wegweisender Prozess: Was Apple von Coop unterscheidet

30 Prozent zwackt Apple von jedem Verkauf im App Store ab. Das will Game-Hersteller Epic nicht mehr länger akzeptieren. In den USA ist es zum Gerichtsprozess gekommen. Warum dieser auch für Nutzer wichtig ist.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Getty

Egal ob man einen Apfel oder eine Birne in seinen Einkaufswagen legt – kauft man bei Coop ein Produkt, verdient der Grossverteiler immer daran mit. Das ist bei Apple nicht anders. Erwirbt man im App Store ein Programm oder zahlt man in einer App für einen Inhalt, verdient der Tech-Riese daran mit. Egal, ob es um Musik, Software oder die elektronische Ausgabe einer Zeitung geht. In der Regel zwackt Apple satte 30 Prozent ab – in Ausnahmefällen 15.

So weit, so gleich. Doch es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Apple und dem Detailhandel. Wem die Preispolitik von Coop nicht passt, kann auf Migros oder andere Läden ausweichen – oder sich die Äpfel und Birnen direkt beim Bauern besorgen. Im Apple-Kosmos geht das nicht. Zwar lässt sich mit dem iPhone durch das ganze World Wide Web browsen, doch Zusatzsoftware lässt sich nur vom App Store auf das Gerät laden.

Coop partizipiert an einem Markt; Apple hat mit dem App Store einen eigenen Markt geschaffen. Diesen kontrolliert der Gigant nach Belieben. In fast allen Branchen hat das Internet zu einem unerbittlichen Preiskampf geführt, da Angebote unmittelbar miteinander verglichen werden können. Ausgerechnet bei den Tech-Giganten wie Apple und Google ist das nicht der Fall. Es ist deshalb längst überfällig, dass Firmen wie der Game-Hersteller Epic und der Streaming-Anbieter Spotify dieses Ungleichgewicht nicht mehr hinnehmen wollen. Das sind sie ihren Kunden schuldig.