Landauf, landab
Wenn die Kinder Fahnen mit Ja-Parolen aufhängen wollen – man es sich aber mit den Nachbarn nicht verscherzen möchte

Journalist Robert Bossart will seine Kinder nicht an der Ausübung ihrer demokratischen Rechte hindern, mit den Nachbarn die gute Beziehung aber aufrechterhalten. Eine Zwickmühle.

Robert Bossart
Robert Bossart
Merken
Drucken
Teilen

Ich lebe auf dem Land. Noch selten wurde mir das so deutlich vor Augen geführt. Kaum eine Wiese, auf der nicht verlautbart wird, was von den Abstimmungen zu halten ist. Die Agrarinitiativen, die vielerorts umkämpft sind, führen zu heftigen Diskussionen. Plakate werden zerstört und es gibt Drohungen gegen Exponenten der Vorlagen. Letzteres ist nicht zu akzeptieren.

Ansonsten mag ich es, wenn auch mal kontrovers diskutiert wird. Allerdings spürt man im Seetal nichts davon. Plakate, welche die Initiativen befürworten, sieht man praktisch keine. Auf einem Spaziergang am Hallwilersee habe ich dann doch noch eines gesehen, das sich für ein Ja ausspricht. «Schön hier?», steht darauf, mit Blick auf die grossartige Naturlandschaft. Das Plakat hat höchstens A4-Format.

Und nun das: Einer meiner Sprösslinge bestellte gleich zwei Stofffahnen mit Ja-Parolen. Die sollen an unserem Haus prominent aufgehängt werden. Wir wohnen sehr abgeschieden, nur der Pöstler kommt regelmässig vorbei. Ansonsten sind es ausschliesslich Bauern, die hier verkehren, weil sie ihre Felder bestellen oder zu ihren Tieren schauen. Könnte sein, dass diese Botschaft an unserem Haus etwas aus der Reihe tanzt.

Eigentlich möchte ich meine Kinder nicht an der Ausübung ihrer demokratischen Rechte hindern. Und mit den Bauern, mit denen ich persönlich gute Beziehungen pflege, verscherze ich es mir als «Exilstädter» nur ungern. Eine verflixte Situation. Vielleicht hilft eine Einladung zu einem «Züri Gschnätzelten», um die allfälligen Wogen in gutdemokratischer Manier zu glätten.