Landauf, landab
Lasst uns frei sein

Ich mag bedeutungsschwangere Ausdrücke. Sie bringen komplexe Sachverhalte so einfach auf den Punkt, dass man das Gefühl hat, endlich die allumfassende Wahrheit gefunden zu haben.

Robert Bossart
Robert Bossart
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In einem kürzlich gelesenen Interview mit dem Umweltökonomen Niko Paech fand ich wieder mal so eine Wortkreation. Er spricht von «ruinösem Wachstumsglauben» und Ähnlichem. Egal. Ins Schwarze getroffen hat der streitbare Wissenschaftler mit dem Ausdruck «ökosuizidaler Überfluss». Wow, was für ein Begriff! Was damit gemeint ist? Das Klimaproblem zu lösen, indem man ein Stellschräubchen hier, ein anderes dort dreht, findet er utopisch. Vielmehr müssten wir in unserer Lebensweise bescheidener werden und uns in Demut üben.

Lassen wir das Klimathema, nehmen aber seine Ratschläge mit und gehen direkt über zu meiner Ferienwoche. Nein, es war nicht Mallorca. Thun. Da war ich noch nie. Meine Liebste und ich verbrachten zwei Tage in diesem hübschen Städtchen. Der Sound des bernischen Dialekts klang, nach einem Jahr zu Hause bleiben, richtig exotisch. Es fühlte sich an, als seien wir weit weg von zu Hause. Wir nächtigten in einem Hotel in der Altstadt, assen im Restaurant, schlenderten durch die Gassen und tranken da und dort einen Kaffee. Abgesehen davon, dass es Pappbecher waren, war alles wie immer. Der Lockdown schien weit weg. Wunderbar. Bis der Moment kam, als wir mal mussten. Nach längerem Umherirren auf der Suche packte uns das Heimweh. Dafür bin ich um eine weitere Wortkreation reicher: Blasenüberdruckferien.

Jeweils am Freitag äussern sich Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

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