Projekt Flimmerpause
Einfach mal abschalten: Zwei Redaktorinnen haben es ausprobiert – ihr Erfahrungsbericht

Unsere Redaktorinnen haben im Rahmen des Projekts Flimmerpause ihren Medienkonsum in der Freizeit eingeschränkt.

Fabienne Mühlemann, Livia Fischer
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Kreuzworträtsel lösen und ein Buch lesen, statt die Flimmerkiste einschalten oder auf dem Handy herumdrücken.

Kreuzworträtsel lösen und ein Buch lesen, statt die Flimmerkiste einschalten oder auf dem Handy herumdrücken.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 28. Mai 2021)

Eine Woche lang die Freizeit ohne Bildschirmmedien gestalten. In Zeiten von Homeoffice eine erstrebenswerte Sache, dachte ich mir. Seit Ausbruch der Pandemie zeigt der Netflix- und Handykonsum bei mir steil nach oben. Eigentlich möchte ich doch mehr lesen, mehr Sport treiben – einfach mehr Sinnvolles tun. Doch bei diesem trostlosen Mai-Wetter lande ich abends doch nur wieder vor der Flimmerkiste. Zeit für gute Vorsätze. Doch bereits am Pfingstmontag kam’s zum «Bschiss».

Fabienne Mühlemann.

Fabienne Mühlemann.

Pius Amrein

Ich löste gerade ein Kreuzworträtsel und im Hintergrund lief das Radio mit den Hit 600, als die ersten Jubel-Schreie von draussen ertönten. Der FC Luzern spielte im Cupfinal – als Sportbegeisterte blutete mir das Herz, dieses historische Ereignis wollte ich einfach nicht verpassen. Ich drückte auf den Fernsehknopf. «Morgen werde ich es besser machen», sagte ich mir. Auf das Handy zu verzichten, fiel mir grundsätzlich nicht schwer. Ich liess es tagsüber im Schlafzimmer. Doch der innere Drang, auf den Bildschirm zu drücken, war trotzdem da. Immer erreichbar zu sein und sofort zu antworten, wenn jemand etwas wissen will – doch eigentlich braucht es das nicht. Ich kann mich ja einfach später melden, lernte ich.

Schwerer fiel es mir an den zwei Abenden, an denen ich weder Training noch Verabredungen hatte und auch mein Freund nicht da war. Nach einem Arbeitstag ist es einfach schon gemütlich, einen Film am TV zu schauen. Was sind die Alternativen? Alleine ein Spiel zu spielen ist nicht wirklich interessant. Sport durfte ich aufgrund der Impfungen nicht machen. Es warteten Aufgaben wie Putzen und Waschen, worauf ich keine Lust hatte. Um ein Buch oder ein Heftli zu lesen, war ich zu müde. So ging ich einfach schlafen. Und siehe da: Am nächsten Tag war ich so ausgeruht wie selten zuvor.


Mein grösstes mediales Laster ist Instagram. Die Statistik auf dem Handy hat mir angezeigt, dass ich vor der Flimmerpause pro Tag rund eine Stunde auf der App verbrachte. Meist abends, vor dem zu Bett gehen. Womit ich meine Zeit ebenfalls gut und gerne verbrätle, ist die Suche nach Koch- und Backrezepten. Da kommen dann weitaus mehr Inspirationen zusammen, als ich überhaupt kochen, geschweige denn essen kann.

Livia Fischer.

Livia Fischer.

Dominik Wunderli

Damit war nun Schluss. Unser Vorsatz: Der Fernseher bleibt ausgeschaltet, den Laptop legen wir nach der Arbeit direkt beiseite und die Handybildschirmzeit ist auf maximal 30 Minuten pro Tag beschränkt. Dabei sind diese nur für wichtige E-Mails oder die nötigsten Anrufe gedacht. Damit ich’s einhalte, aktivierte ich die Bildschirmlimit-Funktion. Am ersten Tag griff ich immer wieder zum Handy, nur um es sofort wieder wegzulegen. Entsperrt hatte ich es bis abends 50 Mal – im Schweizer Schnitt sind es täglich etwa 90 Entsperrungen. Damit ich gar nicht erst in Versuchung komme, Instagram zu öffnen, löschte ich die App an Tag zwei – von da an war der Drang, durch Instagram zu scrollen, verschwunden.

Dass mir der Verzicht aufs Fernsehen leicht fallen wird, war mir von Anfang an klar. Die Netflix-Serie tausche ich einfach gegen ein gutes Buch ein. Dass es mir aber auch nichts ausmacht, nicht ans Handy zu gehen – von der vorgesehenen Bildschirmzeit blieben pro Tag immer um die 15 Minuten spatzig –, überraschte mich dann doch.

Zugegeben: Diese Woche war es ein Leichtes. Am Montag musste ich bis spätabends arbeiten, dienstags, donnerstags und freitags war ich im Boxtraining und am Mittwoch bei Freunden eingeladen. Das Wochenende wiederum verbrachte ich mit meiner besten Freundin im Tessin – oft am Handy wäre ich also eh nicht gewesen.