«Schnee von gestern»
Wie ich endlich das Putzen entdeckt habe

Staubsaugen ist eine Wissenschaft für sich. Entscheidend ist das richtige Gerät. Unser Autor kennt sich jetzt bestens aus.

Hans Graber
Hans Graber
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Der Winter hat einen Vorteil: Manches bleibt im Dunkeln, man muss sich nicht um jeden Dreck kümmern. Die Frühlingssonne bringt ihn dann aber doch an den Tag. Das ist kein Vorwurf an unsere Putzfrau, die bei uns einmal im Monat perfekte Arbeit leistet. Ein Luxus, aber wir mögen die Frau sehr, zudem drängt ihr nahendes Erscheinen dazu, zuvor zu Hause schon einigermassen klar Schiff zu machen. Die Putzfrau hat bei uns also bereits eine reinigende Kraft, ehe sie sich ans Werk macht.

Sie putzt mit Leidenschaft und bringt alle Reinigungsmittel selber mit. Es riecht jeweils wie neu in unserer Wohnung. Den Geruch eigener Reinigungsmittel nimmt man ja mit der Zeit kaum mehr wahr. Das ist ähnlich wie mit Parfums, mit der für Mitmenschen leidigen Folge, dass einzelne Leute ganz dick auftragen. Das Tüpfelchen aufs i aber setzt unsere Putzfrau jeweils, indem sie das erste Blatt des Toilettenpapiers wunderbar faltet. Fast origamiartig. Eine schöne, aber hier leider etwas kurzlebige Kunst.

Ein guter alter Schlittenstaubsauger.

Ein guter alter Schlittenstaubsauger.

Bild: Michaela Rohrer

Da man derzeit stark auf die eigenen vier Wände fixiert ist, hat die Frühlingssonne nun sogar bei mir Putz-Aktionismus ausgelöst. Wie üblich mein erster Gedanke: Neue Geräte müssen her. Ein kabelloser Akkusauger? Meine Frau plädierte mehr für einen neuen herkömmlichen Staubsauger. Der alte saugt noch, aber am Schlitten müsste etwas erneuert werden. Doch selbst für führende Marken gibt’s keine Ersatzteile mehr. Folglich habe ich einen Schlittenstaubsauger gekauft. Und weil eh Aktionswoche war, auch noch einen Akkusauger für 111 Franken.

Über den Normalen müssen wir nicht reden. Er saugt quasi alles ein, was keine Bodenhaftung hat. Ein Monster. Da er mir ein wenig Angst macht, lasse ich die Hände davon. Es gibt diesen Werbespruch «Max geht für Sie durchs Rohr». Das könnte auch dem Hans blühen.

Schnell angefreundet habe ich mich dafür mit dem Akkusauger. Über diese Geräte hatte ich im Vorfeld wenig Gutes gelesen. Mangelnde Saugkraft. Schwache Akkulaufzeit. Mühselige Reinigung. Über «mein» Modell kursieren im Internet vernichtende Urteile, die ich jedoch nicht teile. Selbst auf der tieferen der beiden Saugstufen ist das Ergebnis befriedigend, während sie bei anderen offenbar nahezu nutzlos war. Wie es wohl bei denen zu Hause aussehen mag? Genau, das geht mich einen feuchten Dreck an.

Neuerdings patrouilliere ich täglich mit dem Akkusauger durch die Wohnung. Nicht allumfassend, nur partiell, aber akribisch. Dienlich sind die drei LED-Leuchten an der Düse unten. Das Licht zeigt, wo man noch (einmal) drüber muss. Tröstlich, dass selbst das Monstrum nicht absolut unfehlbar ist. Irgendwo gibt’s immer etwas einzusaugen. Auch, weil es bei Akkusaugern keinen Beutel hat. Man muss den Staub in einen Abfallsack umleeren. Dabei fällt fast zwangsläufig einiges auf den Boden zurück. Mit Gruss von Sisyphus. Aber gerade das ist das Schöne am Saugen: Es wird einem nie langweilig.

Und der Akku? Stimmt, nach vielleicht 16 Minuten auf der oberen Stufe ist Schluss, dann muss das Ding für Stunden ans Netz. Aber so gerät man nie in Versuchung, es mit der Saugerei zu übertreiben, gar Suchttendenzen zu entwickeln. Und unsere Putzfrau will auch noch etwas zu tun haben, denn Corona hin oder her, so viele WC-Papierrollen zum Falten haben wir ja auch wieder nicht.