Kommentar

Schulschliessungen treffen die Falschen: Die Schweiz darf dem Druck nicht nachgeben

Einmal mehr wird die Schweiz zum Corona-Sonderfall. Diesmal in Sachen Fernunterricht. Gut so!

Patrik Müller
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Patrik Müller.

Patrik Müller.

In fast allen Ländern Europas bleiben die Schulen nach den Festtagen noch mindestens eine Woche geschlossen, in Österreich gar bis zum 15. Januar. Die meisten Kantone aber scheinen dem Druck standzuhalten, es dem europäischen Umland gleichzutun, obwohl immer lauter «internationale Kooperation» gefordert wird.

Am weitesten gehen an den Primarschulen noch Solothurn und Nidwalden, die drei Tage verspätet starten, sonst beginnt der Präsenzunterricht in der Regel am Montag wieder.

Das ist richtig. Im Gegensatz zum Skigebiets-Sonderfall, über dessen Sinn man sich streiten kann, ist der Schul-Sonderfall gut begründet. Erst vor wenigen Tagen zeigte eine Zürcher Studie, dass Schulen keine Infektionsherde und Kinder keine Pandemietreiber sind. Wie immer bei Corona ist die Lage nicht absolut eindeutig; eine britische Studie sah die Rolle der Schulen kritischer.

Einschneidende Massnahmen wie Schulschliessungen dürfen ohnehin nicht nur nach epidemiologischen Kriterien entschieden werden. Es gilt, auch auf andere Wissenschaften zu hören. Die pädagogische Forschung hat belegt, dass Primarschulkinder im Frühlings-Lockdown viel weniger gelernt haben. Und dass unter dem Fernunterricht sozial benachteiligte Familien besonders leiden.

Auch Kinder haben in dieser Krise Rechte und Anspruch auf Schutz. Und vergessen wir nicht ihre Grosseltern: Oft übernehmen sie bei geschlossenen Schulhäusern notgedrungen die Betreuung und setzen sich so Risiken aus. Und genau das sollte man vermeiden.