Kommentar

1.-August-Spesen für Politiker sind absurd und kontraproduktiv

Aargauer Gemeinderäte werden teils dafür entschädigt, wenn sie an die 1.-August-Feier gehen. Das ist absurd.

Rolf Cavalli
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Diese Spesengeschichte würde als Aprilscherz wohl durchfallen. Zu durchschaubar, zu realitätsfremd. Doch es geht nicht um den 1. April, sondern um den 1. August. Und es ist den Gemeinden bitterernst: Gemeinderäte in Bözberg und Schinznach-Bad werden tatsächlich mit Spesengeld entschädigt, wenn sie an der Bundesfeier zusammen mit der Bevölkerung Wurst essen und brunchen.

Eine solche Entschädigung ist absurd und kontraproduktiv zugleich. Politiker können nicht erwarten, dass Normalbürger an einem heissen Sommertag die Bundesfeier einem Badibesuch vorziehen, selber aber nur gegen Bares zur Augustrede antraben.

Den Vätern dieser Spesenregelung deshalb Gier zu unterstellen wäre jedoch verfehlt. Dafür sind Beträge von 40 Franken Stundenlohn zu gering. Ein Motiv ist möglicherweise eine grundlegende Misere: Gemeinderäte in kleinen Kommunen wie Bözberg werden für ihre Arbeit sehr bescheiden entschädigt: 10 000 Franken im Jahr für unzählige Stunden Einsatz, das macht es vielen Berufstätigen schwer, neben der Arbeit noch lokalen Milizdienst zu leisten.

Sich das Gehalt über Spesen für die Bundesfeier und dergleichen aufzupeppen, ist aber der falsche Weg. Es verstärkt höchstens die Politikverdrossenheit.

Deshalb eine Empfehlung an die betroffenen Gemeinderäte: Warum nicht an der Augustfeier kurz das Wort ergreifen und einen Spesenverzicht verkünden? Das schafft Goodwill, wenn es an der nächsten Gemeindeversammlung darum geht, die wirklich wichtigen Anliegen durchzubringen – zum Beispiel die generelle Erhöhung des Gemeinderatslohnes.