Ceuta
Auch Stacheldraht schreckt nicht ab

Ralph Schulze, Madrid
Ralph Schulze, Madrid
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Von der Polizei bewachte Flüchtlinge nach der Überwindung des Grenzzauns in Ceuta.

Von der Polizei bewachte Flüchtlinge nach der Überwindung des Grenzzauns in Ceuta.

Keystone/AP/JESUS MORON

Spaniens Nordafrika-Exklaven Melilla und Ceuta galten bisher als Beispiel dafür, wie sich Europa gegenüber Flüchtlingen, die vor Armut, Krisen und Kriegen fliehen, erfolgreich abschottet: Kilometerlange Grenzwälle umgeben diese beiden Städte, die auf marokkanischem Territorium liegen.

Die mehr als sechs Meter hohen Doppelstahlzäune, die auf der Oberkante noch mit Nato-Stacheldraht abgesichert sind, erinnern an den «Eisernen Vorhang», der früher die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR markierte. Auch die grauenhaften Szenen von verzweifelten Menschen, die in Melilla oder Ceuta im Drahtverhau blutend hängen bleiben und aus den messerscharfen Dornen geschnitten werden müssen, fügen sich in dieses unschöne Bild.

Die Frage ist, ob diese blutigen Szenen mit Europas Verständnis von den Menschenrechten zu vereinbaren sind. Genauso muss sich Spanien vorwerfen lassen, an dieser «heissen Grenze» die internationale Flüchtlingskonvention nicht zu erfüllen, wenn am Grenzzaun gefasste Flüchtlinge oftmals umgehend nach Marokko abgeschoben werden, ohne ihre Fluchtgründe zu prüfen.

Weit mehr als 100 Millionen Euro haben Spanien und EU in den Ausbau der Grenzwälle in Ceuta und Melilla gesteckt. Die Sperranlagen wurden immer breiter und höher: Wachtürme, Scheinwerfer, Bewegungsmelder, Stolperdrähte, Infrarotkameras und spanische Grenzpolizisten wachen hier über Europas Grenzsicherheit. Zudem wird die marokkanische Zusammenarbeit beim Grenzschutz mit Millionenhilfen aus der EU-Kasse belohnt.

Und trotzdem erlebt Spanien immer wieder Massenanstürme auf seine Grenzzäune: Regelmässig versuchen – meist im Morgengrauen – Hunderte von afrikanischen Flüchtlingen die Abschottungswälle zu überwinden. Dies zeigt vor allem eines: Flüchtlinge, die in ihrer Verzweiflung nichts zu verlieren haben, lassen sich vermutlich weder durch das Mittelmeer noch durch Stacheldraht-Zäune aufhalten.

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