Frankreich
Die Hoffnung der Linken

Vor der Entscheidung am Sonntag schenken sich die beiden Republikaner nichts. Wird der wertkonservative Fillon gewählt, könnte sich in der politischen Mitte unerwartet Raum für andere Kandidaten öffnen.

Stefan Brändle, Paris
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Wird am Sonntag der wertkonservative Fillon, könnte selbst für Hollande wieder Hoffnung aufschimmern. (Archivbild)

Wird am Sonntag der wertkonservative Fillon, könnte selbst für Hollande wieder Hoffnung aufschimmern. (Archivbild)

KEYSTONE/AP/THIBAULT CAMUS

Das zunehmend persönliche Duell der beiden französischen Konservativen Alain Juppé und François Fillon um die Präsidentschaftskandidatur offenbart nicht zuletzt den tiefen Richtungsstreit zwischen einer gemässigten und einer orthodoxen Rechten. Dahinter steckt die Frage, wie den Machtgelüsten der Rechtspopulistin Marine Le Pen am ehesten beizukommen sei.

Juppé glaubt, dass nur ein breit gefächerter Mitte-Rechts-Verbund dazu in der Lage wäre. Fillon wiederum behauptet, je «rechter» die Konservativen aufträten, desto mehr Stimmen nähmen sie der Front-National-Kandidatin Marine Le Pen weg.

Was beide übersehen: Mit ihrer heftigen Bruderfehde schaden sie sich gegenseitig selbst. Juppés Vorwurf, Fillon lasse sich auch von Rechtsextremen unterstützen, würde diesen in der präsidialen Stichwahl gegen Le Pen zweifellos viele Linksstimmen kosten. Und Fillons Kritik am «weichen» Kurs Juppés könnte klassische Bürgerliche eher in die Arme Le Pens treiben.

Der scharfe, ja gehässige Streit der französischen Republikaner vermittelt Linken und Liberalen zudem plötzlich wieder Hoffnung auf die Präsidentschaftswahlen im kommenden Mai. Wird am Sonntag der wertkonservative Fillon zum bürgerlichen Spitzenkandidaten für das Élysée gewählt, öffnet sich in der politischen Mitte unerwartet neuer Raum – Raum für sozialliberale Kandidaten wie François Bayrou, Emmanuel Macron oder Manuel Valls. Oder sogar für François Hollande, der seine Pläne Mitte Dezember bekannt geben will.

Fillons erstaunlicher Kometenstart hat die französische Politik gehörig durcheinandergewirbelt. Die Folgen sind noch nicht absehbar. Die französischen Präsidentschaftswahlen sind offener denn je.

stefan.braendle@azmedien.ch