WEF 2018

Die Mächtigen im Dichtestress

Patrik Müller, Davos
Drucken
Teilen
Patrik Müller: «Das WEF hat eine Sogwirkung wie noch nie. Alles, was Rang und Namen hat, will hin. Ob es etwas bringt, fragt keiner.» Im Bild: WEF-Gründer Klaus Schwab, der indische Ministerpräsident Narendra Modi und der Schweizer Innenminister Alain Berset. (Archivbild)

Patrik Müller: «Das WEF hat eine Sogwirkung wie noch nie. Alles, was Rang und Namen hat, will hin. Ob es etwas bringt, fragt keiner.» Im Bild: WEF-Gründer Klaus Schwab, der indische Ministerpräsident Narendra Modi und der Schweizer Innenminister Alain Berset. (Archivbild)

KEYSTONE

Das Weltwirtschaftsforum gilt vielen als Hochamt des Kapitalismus. Doch es fühlt sich hier anders an: WEF-Gründer Klaus Schwab setzt Themen wie Ungleichheit, Klimaschutz und gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Agenda, das Wort «sozial» verwendete er in der Eröffnungsrede mehrfach.

Und die hohe Dichte der Mächtigen hat etwas Sozialistisches: Alle stecken im selben Stau, stehen im Kongresszentrum Schlange vor der Kaffeebar, werden vor überfüllten Sälen abgewiesen, müssen ihren Mantel mittragen, weil die Garderobe voll ist. Das sind für manche CEOs neue Erlebnisse.

Das WEF hat eine Sogwirkung wie noch nie. Alles, was Rang und Namen hat, will hin. Ob es etwas bringt, fragt keiner. Indiens Narendra Modi, Ministerpräsident der grössten Demokratie, hielt die Eröffnungsrede – und brachte 100 Wirtschaftsführer mit. Die wichtigsten Staatschefs sind da, gestern Abend trat Kanadas Premier Trudeau auf, heute sprechen Frankreichs Präsident Macron und Deutschlands Kanzlerin Merkel.

Am ersten WEF-Tag zeigte sich: Es liegt zu Jahresbeginn 2018 ein Hauch jener Beschwingtheit in der Luft, die in Davos zuletzt vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 zu spüren war. Die Wirtschaft wächst, in den USA und Europa, in Indien und China. Zurzeit werden in schnellem Tempo Millionen Jobs geschaffen. An Warnungen fehlt es in Davos aber nicht. Und Trump – der kommt erst noch. Er wird für Misstöne sorgen.