Fahrländer

Die Schule pflegen – wer soll es tun?

Hans Fahrländer war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik. Heute: Abschaffung der Schulpflegen im Aargau.

Hans Fahrländer
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Die Schulpflege verankert die Volksschule im Volk. (Symbolbild)

Die Schulpflege verankert die Volksschule im Volk. (Symbolbild)

Hanspeter Bärtschi

Die Regierung hat Wort gehalten. Nach vier Jahren hat sie die Vorlage «Optimierung der Führungsstrukturen an der Volksschule» mit dem Kernpunkt Abschaffung der Schulpflegen aus der Schublade geholt. Seit zwei Wochen befindet sie sich in der Anhörung. Aus ersten Reaktionen zu schliessen, ist der Käse diesmal gegessen. Schliesslich schaffen es die cleveren Solothurner auch ohne Schulpflegen. Okay, andere Kantone haben sie noch, aber die sind wohl einfach nicht so clever. Nur ein paar Ewiggestrige stellen sich im Aargau quer – und natürlich die Schulpflegen, wer will sich schon selber abschaffen.

Wir sollten uns nicht in Filterblasen gleichgeschalteter Meinungen bewegen. Deshalb ist es sicher gestattet, die Sache ein bisschen gegen den Strich zu bürsten und ein paar Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Wenn die vom Volk gewählten Schulpflegen weg sind, wer sorgt dann für die Verankerung der Volksschule im Volk? Ist ein Ressortvorsteher im Gemeinderat (vorab in grossen Gemeinden mit grossen Schulen) in der Lage, die Schule nicht nur strategisch, sondern auch fachkundig und teilnehmend zu führen? Sind die Schulleitungen, die gemäss einer Studie heute durchschnittlich 350 Überstunden im Jahr leisten, nicht überfordert, wenn sie auch noch die politische Lobbyarbeit übernehmen müssen? Okay, man will ihnen die Pensen erhöhen – aber da lauert die nächste Frage: Passt es in die Zeit des Bildungssparens, ein teureres Leitungsmodell zu wählen (Schulpflegen sind billiger als Schulleitungen)?

Warum erscheinen Schulpflegen verzichtbar? Zum einen: Nicht alle Schulpfleger sind gut (Schulpflegerinnen mitgemeint, auf «Schulpflegende» möchten wir lieber verzichten). Wer das Amt als Karrieresprungbrett für höhere Weihen missbraucht, schadet seinem Ansehen. Doch die Mehrheit opfert sich auf und versteht sehr viel von Schule. Zum anderen: Es gibt ein Kompetenzgerangel mit den Schulleitungen, vor allem in Personalsachen. Dabei wäre eine klare Aufgabenteilung heute schon möglich (clevere Gemeinden halten es auch so): Die Schulleitungen haben die unangefochtene Kompetenz für Anstellungen, Laufbahnentscheide etc., die Schulpflegen sind Rekursinstanz. Ein Makel im heutigen System ist auch: Die Schulpflegen fällen Beschlüsse mit Kostenfolgen, müssen aber für Ausgaben nicht geradestehen. Die Lösung: Man könnte Schulpflegen ein Schulbudget anvertrauen.

Ich kann den Lauf der Zeit wohl nicht aufhalten. Ich bitte einfach darum: Tragt den Schulen Sorge und schwächt nicht ihre Stellung in den Gemeinden.

hans.fahrlaender@azmedien.ch