Kommentar

Eine Debatte über die Schule tut not

Ist es sinnvoll, dass das Volk über Schulfächer und Schulstoff abstimmen kann? Ginge es nach einigen Bildungspolitikern, sollten diese Fragen besser Experten und Leuten aus der Schulpraxis überlassen werden. Doch es kommt anders - und das ist gut so.

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Wie der Lehrplan 21 schlussendlich umgesetzt wird, entscheidet sich im Klassenzimmer. (Symbolbild)

Wie der Lehrplan 21 schlussendlich umgesetzt wird, entscheidet sich im Klassenzimmer. (Symbolbild)

Keystone

Die Initiative gegen den Lehrplan 21 steht. Sie wird am 2. Juni eingereicht und eine breite Schuldebatte auslösen.

Vorschnell wurden die Lehrplan-Gegner als Sammelbecken von Unzufriedenen und Empörten abgetan. Doch so einfach sollten es sich die Lehrplan-Befürworter nicht machen. Zwar zieht die Initiative tatsächlich konservativ-sektiererische Kreise an. Doch das Unbehagen gegenüber dem ambitiösen Bildungsprojekt kommt zunehmend auch aus der Mitte der Gesellschaft. Nicht zuletzt, weil ziemlich diffus ist, was der Lehrplan 21 in der Realität überhaupt bedeutet.

Ungeachtet, ob die Fundamental-Kritik am Reformpapier berechtigt ist, wirft die Initiative berechtigte Fragen auf:

  • Soll die Schule in erster Linie Wissen vermitteln oder lieber den Schülern Kompetenzen beibringen?
  • Verstehen sich die Lehrer klassisch als Instruktoren oder eher als Coach der Kinder?
  • Und noch grundsätzlicher: Was soll die Schule überhaupt leisten, was nicht?

Eine demokratische Diskussion über die Schule tut not. Es ist nicht ersichtlich, warum die Aargauer Stimmbürger im Rahmen des Sparprogramms über die Abschaffung der Pilzkontrolle abstimmen konnten, ausgerechnet beim alltagsrelevanten Megathema Schule dagegen nicht mitentscheiden sollen.

rolf.cavalli@azmedien.ch