Wahlen ZH

Eine grüne Welle hat Zürich überrollt

Doris Kleck
Drucken
Teilen
Der neu gewählte Regierungsrat von links nach rechts: Jacqueline Fehr (SP), Martin Neukom (Grüne), Natalie Rickli (SVP), Mario Fehr (SP), Silvia Steiner (CVP), Ernst Stocker (SVP) und Carmen Walker Spaeh (FDP)
14 Bilder
Ein sichtlich enttäuschter Thomas Vogel: Der FDP-Mann erreichte bei den Regierungsratswahlen zwar das absolute Mehr, schied allerdings als überzählig aus.
Die neu gewählten Regierungsräte: Natalie Rickli (SVP) und Martin Neukom (Grüne).
Bedrängt von den Medien: Der neu gewählte Regierungsrat Martin Neukom (Grüne).
Martin Neukom, (Grüne) strahlt im Mediencenter bei den kantonalen Wahlen
Wahlen Kanton Zürich
Ernste Gesichter bei SVP-Präsident Konrad Langhart (links) und Kantonsrat Hans-Peter Amrein (SVP). Die SVP gehört bei den Zürcher Kantonsratswahlen zu den Verlierinnen.
Auch die FDP verliert gemäss erster Hochrechnung leicht. In der Mitte: Hans-Jakob Boesch, Präsident der kantonalen FDP
Im Parlament verliert die SP leicht, die beiden Regierungsratssitze sind der Partei aber sicher. Im Bild: Priska Seiler, Co-Präsidentin der SP Kanton Zürich.
Hat Grund zum Strahlen: Nicola Forster, Co-Präsident glp Kanton Zürich.
Auch sie freut sich über die Wahlerfolge: Marionna Schlatter-Schmid, Präsidentin Grüne Kanton Zürich.
Wahlplakate für den Regierungs- und Kantonsrat.
Die FDP schwenkt auf Klimaschutz ein. Zürcher Partei wirbt für ihre Anliegen.
Wahlplakate für den Regierungs- und Kantonsrat.

Der neu gewählte Regierungsrat von links nach rechts: Jacqueline Fehr (SP), Martin Neukom (Grüne), Natalie Rickli (SVP), Mario Fehr (SP), Silvia Steiner (CVP), Ernst Stocker (SVP) und Carmen Walker Spaeh (FDP)

WALTER BIERI

Zürich ist ein wichtiger Gradmesser für die nationalen Wahlen im Herbst. Der Wahltag im grössten Kanton dürfte in den bürgerlichen Parteizentralen in Bern einige Hektik auslösen. Vorab bei der SVP.

Die Zürcher Resultate bestätigen den negativen Trend vergangener kantonaler Wahlen. Sie zementieren das schlechte Bild, das die grösste Partei auf nationaler Ebene abgibt. Die SVP wirkt strategielos – etwa beim AHV-Steuer-Deal oder der gekippten Franchisen-Erhöhung –, und sie ist thematisch zu einseitig. Sie fokussiert auf Ausländer und Europa.

Tatsächlich ist das Rahmenabkommen mit der EU nebst dem Klima das Thema der Stunde. Doch die SVP ist nur eine Partei unter vielen, die gegen das Abkommen ist. Die Migrationsfrage wiederum ist derzeit weniger virulent als das Klima oder die Gesundheitskosten.

Bei der FDP ist der Verlust des zweiten Zürcher Regierungssitzes historisch. Auch die Freisinnigen haben das Klima-Thema sträflich vernachlässigt. Zwar hat Parteichefin Petra Gössi eine spektakuläre Klimawende angekündigt – den Tatbeweis ist die Partei aber noch schuldig.

Eine grüne Welle hat also Zürich überrollt. Diese Tatsache ist nicht überraschend, das Ausmass der Gewinne von Grünen und Grünliberalen aber schon. Die Sitzverschiebungen sind für hiesige Verhältnisse massiv. Die neue Klimabewegung wird sich in der Zürcher Politik niederschlagen.

Das hat auch eine Signalwirkung für die nationalen Wahlen. Im Zürcher Kantonsparlament haben die Bürgerlichen ihre Mehrheit verloren. Das gleiche Szenario droht SVP und FDP auf eidgenössischer Ebene.