Tennis
Federer bis Ende Saison out – und der Superstar bleibt sich auch diesmal treu

Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder
Merken
Drucken
Teilen
«Roger Federers Entscheid folgt nicht zum ersten Mal knallhart dem Verstand und nicht dem Herzen. Das oberste Ziel bleibt, noch mehrere Jahre auf Topniveau Tennis zu spielen.»

«Roger Federers Entscheid folgt nicht zum ersten Mal knallhart dem Verstand und nicht dem Herzen. Das oberste Ziel bleibt, noch mehrere Jahre auf Topniveau Tennis zu spielen.»

Keystone/AP/KIRSTY WIGGLESWORTH

Was für ein Schock für den Schweizer Sport. Roger Federer teilt via Facebook seinen Verzicht auf die Olympischen Spiele in Rio mit.

Die Delegation von Swiss Olympic kann ihr Medaillenbudget auf einen Schlag halbieren. Federer gehörte im Einzel, im Doppel und im Mixed zu den ganz grossen Hoffnungen auf Edelmetall.

Nicht nur das: Der «Maestro» bricht die verbleibende Saison komplett ab. Kein Roger beim US Open, keiner in Basel und keiner an den ATP-Finals. Federer zeigt sich in seiner Stellungnahme dankbar, wie viel Glück er während seiner einzigartigen Karriere bisher hatte, praktisch nie ernsthaft verletzt gewesen zu sein.

Dafür bricht im Seuchenjahr 2016 alles Negative tonnenschwer über ihn herein – Knie, Rücken, Krankheiten.

Aber ist es einfach nur Pech? Ist es Zufall? Roger Federer wird am 8. August
35 Jahre alt. Nach Jimmy Connors Ende der 1980er-Jahre gab es nie mehr einen derart alten Spieler mit einer solchen Kontinuität in der absoluten Weltspitze.

Seit 2002 steht der Baselbieter ununterbrochen in den Top 10. Und die Intensität des Spiels ist längst nicht mehr mit den Zeiten von Connors zu vergleichen. Jetzt nagen die Zeichen der Zeit offensichtlich auch an Federer, obwohl der 17-fache Grand-Slam-Sieger derart viel Sorge zu seinem Körper trägt wie kaum ein anderer Profi auf der Tour.

Der Entscheid des grössten Schweizer Sportlers aller Zeiten zeigt aber noch etwas ganz anderes: seine Professionalität und Kompromisslosigkeit, die ihn seit Jahren auszeichnet.

Federers Worte lassen durchblicken, dass er trotz allem mutmasslich in Rio hätte spielen können, dabei aber die Fortsetzung der Karriere riskieren würde. Einer Karriere notabene, deren nahendes Ende bereits mehrmals prognostiziert worden ist. Wohl auch in den nächsten Tagen.

Doch Federer bleibt sich treu. Sein Entscheid folgt nicht zum ersten Mal knallhart dem Verstand und nicht dem Herzen. Das oberste Ziel bleibt, noch mehrere Jahre auf Topniveau Tennis zu spielen. Diesem Ziel ordnet er alles unter. Selbst den olympischen Traum.