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Kommentar

Wahlberichte von Robotern: Sieht so die Zukunft des Journalismus aus?

Am Wahlsonntag schreibt ein Roboter der SDA Berichte. Eine Sensataion? Von wegen Eigentlich sollte bereits ein Roboter einen Pulitzerpreis gewonnen haben.
Raffael Schuppisser
So sieht es normalerweise im Büro der SDA aus. An den eidgenössischen Wahlen wird jedoch ein Textroboter einen Grossteil der Arbeit erledigen. (Bild: Keystone/GAETAN BALLY)

So sieht es normalerweise im Büro der SDA aus. An den eidgenössischen Wahlen wird jedoch ein Textroboter einen Grossteil der Arbeit erledigen. (Bild: Keystone/GAETAN BALLY)

Die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) ist in den letzten Jahren personell geschmolzen. Doch an diesem Wahlsonntag wird die Nachrichtenagentur so viele Texte liefern, wie noch nie zuvor. Das liegt an einer einzigen Mitarbeiterin: Lena. Für jede einzelne Schweizer Gemeinde wird sie eine Kurzmeldung mit den Wahlergebnissen verfassen – und das jeweils in allen vier Landessprachen. Sekunden nach dem Eingang der Resultate stehen die Artikel online. Natürlich kann das kein Mensch schaffen. Und Lena ist auch kein Übermensch, sondern ein Textroboter.

Brechen nun neue Zeiten an? Ist Lena die Vorbotin eines Journalismus, der nicht mehr primär von Menschen, sondern von Maschinen gemacht wird? Mitnichten. Lena ist vielmehr eine grosse Enttäuschung. Denn eigentlich sollte Lena – oder eine ihrer Roboterkolleginnen – längst den Pulitzerpreis gewonnen haben. Für eine grandiose Reportage oder eine grosse Enthüllungsgeschichte. Stattdessen übt sie sich noch immer an der Anfängerform: der Kurzmeldung.

2011 verkündete die US-Firma Narrative Science, die solche Algorithmen zur Textgenerierung entwickelt, dass bis in fünf Jahren ein Roboter den renommierten Journalistenpreis erhalten wird. Weit gefehlt! Roboter können nicht viel mehr als damals, nämlich aus Daten einfache Texte generieren. Was sich etwa eignet für Sportberichte, Finanztexte oder eben Wahlreporte. Einen journalistischen Preis wirds dafür nie geben. Aber die Journalisten selber haben dank Robotern mehr Zeit für das Wesentliche. Lena mag noch so viele Texte produzieren: Was auch diesen Sonntag vornehmlich gefragt sein wird, sind Analysen. Das stimmt zuversichtlich. Für den Journalismus und für die Gesellschaft.

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