Tennis
Ohne Martina Hingis gäbs keine Lara Gut, keine Giulia Steingruber, keine Daniela Ryf – Danke!

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Die beste Schweizer Tennispielerin - Martina Hingis - tritt zurück.

Die beste Schweizer Tennispielerin - Martina Hingis - tritt zurück.

KEYSTONE/EPA KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Das Mädchen ist suspekt. Bestimmt fremdbestimmt. Schon mit zwei läuft sie ständig mit einem Tennisschläger in der Hand durch die Gegend. Ist das normal? Hat dieses Mädchen überhaupt eine andere Wahl, als dem zerplatzten Traum der Mutter zu folgen? Kaum. Typisch Ostblock. Da wird getrimmt. Erbarmungslos. Und was kommt dabei heraus? Fleischgewordene Roboter, die auf Knopfdruck liefern.

Martina Hingis, als 8-Jährige mit ihrer Mutter von Kosice ins St. Galler Rheintal gezogen, überfordert uns ziemlich bald. Schon mit 13 nimmt sie an der Profi-Tour teil. Natürlich ist sie noch ein Kind. Aber eines, das weiss, was es will. Nach ganz oben. Ein Weg, auf dem man sich nicht nur Freunde machen kann. Aber wir sind uns gewohnt, dass unsere weiblichen Sport-Sternchen Ski an den Füssen tragen, Vreni heissen, immer nett und angepasst sind, eine Ausbildung machen und wissen, wie man einen Haushalt führt, weil man ja nicht ewig Ski fahren kann. Martina Hingis ist der Gegenentwurf zu all den Vrenis.

Aber selbst als Fräuleinwunder mit 15 Wimbledon gewinnt, wird sie in der Schweiz bestenfalls bewundert, aber nicht geliebt. Ein hartes Los. Doch sie steckt es weg, passt sich nicht an, will nicht «Schätzli» sein, sondern folgt kompromisslos ihrem Willen und ebnet unbewusst der Generation Smartphone den Weg an die Weltspitze. Die These ist gewagt: Aber ohne Martina Hingis keine Lara Gut, keine Giulia Steingruber, keine Daniela Ryf. Danke dafür. Und verzeihen Sie unsere Skepsis.

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