Fall Rupperswil
Polizei der Spitzenklasse

Hans Fahrländer
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Polizisten nach dem Vierfachmord von Rupperswil. (Archivbild).

Polizisten nach dem Vierfachmord von Rupperswil. (Archivbild).

/KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER

In das Entsetzen über des Rätsels Lösung im Mordfall von Rupperswil mischt sich im Aargau nicht ohne Grund ein Stück Stolz über die Arbeit der hiesigen Polizei. Der Täter lebte zuvor völlig unauffällig, es gab keine Beziehungen zwischen ihm und den Opfern, kaum Spuren am Tatort – höchster Schwierigkeitsgrad also für die Ermittler. Trotzdem haben sie den Fall gelöst. Damit bestätigt sich einmal mehr: Die Aargauer Kantonspolizei gehört trotz knappem Bestand zu den erfolgreichsten weitherum. Das Korps mit Kommandant Michael Leupold und Kripo-Chef Markus Gisin hat sich Bestnoten verdient. Und ja, auch einen Bonus. Es wurden in diesem Land schon für dümmere Sachen Boni verteilt.

Ein Stückchen des Lobes gehört auch zwei Vorgängern, die die Ermittlungsmethoden des Korps geprägt haben. Da ist zum einen Léon Borer. Während 29 Jahren, bis 2008, hat der gebürtige Walliser die Kapo Aargau geführt. Mit seinen internationalen Kontakten, unter anderem zu CIA und FBI, mit seinen hochprofessionellen, manchmal unzimperlichen Ermittlungsmethoden hat er die Kapo zu einer schlagkräftigen Organisation geformt. Bereits 1987 hat er im Fall des Kindermörders Werner Ferrari zwei Profiler des FBI zur Mithilfe in die Schweiz geholt. Eine Pioniertat, wie sich später herausstellte. Borer musste allerdings auch immer wieder Kritik aus Medien und Politik einstecken. Einen «Alpen-Rambo» nannten sie ihn, einen «harten Hund» und einen «Ermittlungsfanatiker». Heute wissen wir: Das war ungerecht. Borer war auf dem richtigen Weg. Er hat Grundsteine gelegt für heutige Erfolge.

Da ist zum andern Urs Winzenried. Während 35 Jahren, bis 2014, war der feinsinnige Fagottspieler Chef der Kriminalpolizei, über 150 Tötungsdelikte hat er in dieser Zeit bearbeitet, über 95 Prozent der Fälle konnte die Kripo lösen, eine weltweit einzigartige Quote. Auch Winzenrieds akribische Ermittlungsarbeit war stilbildend im Korps und darüber hinaus. Diese beiden Würdigungen mindern, es sei betont, den Erfolg der heutigen Amtsinhaber und ihres Teams in keiner Weise.