Kommentar

Rentenreform: Ein hoher, aber nötiger Preis

Nein, einen Schönheitspreis hat das Parlament mit der Reform der Altersvorsorge nicht verdient. Das angenommene Paket hat viele Schönheitsfehler.

Doris Kleck
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Nein, einen Schönheitspreis hat das Parlament mit der Reform der Altersvorsorge nicht verdient.

Nein, einen Schönheitspreis hat das Parlament mit der Reform der Altersvorsorge nicht verdient.

Keystone

Der wohl gewichtigste: Eine Übergangsgeneration von 20 Jahren hat keine Renteneinbusse in der zweiten Säule und wird dennoch von einer Erhöhung der AHV profitieren. Dieser Leistungsausbau hat in einer Reform, die darauf abzielte, die AHV zu stabilisieren, eigentlich nichts zu suchen. Zudem hat es das Parlament verpasst, zwingende Anpassungen an gesellschaftliche Entwicklungen vorzunehmen, etwa bei den Wittwenrenten für Kinderlose.

Aber eben, Politik ist die Kunst des Möglichen. So abgedroschen das klingt: 22 Jahre nach der letzten erfolgreichen AHV-Revision ist eine Reform dringend notwendig. Das tiefere Rentenalter
der Frauen lässt sich nicht mehr rechtfertigen. Und die Umverteilung von den Erwerbstätigen zu den Rentnern muss ein Ende haben. Die Senkung des Umwandlungssatzes ist unvermeidbar.

Diese zwei Kernelemente der Reform werden mit dem Ausbau bei der AHV teuer bezahlt. Doch die 70 Franken zusätzlich für Neurentner sind in der nun bevorstehenden Volksabstimmung eben Gold wert: Sie lassen sich weit besser erklären als Kompensationsmassnahmen in der zweiten Säule. Und für Leute mit tiefen Einkommen sind sie sicher die bessere Lösung.

Klar ist allerdings auch, dass die Reform hohe Folgekosten haben wird. Die höheren Lohnabgaben und die Zusatzeinnahmen werden ab 2030 nirgends mehr hinreichen. Der Reformdruck wird also auch hoch bleiben, wenn das Volk am 24. September Ja sagen wird. Die Rentenreform mag ein Mammutprojekt sein – doch eigentlich ist sie nur ein erster Zwischenschritt.

doris.kleck@azmedien.ch