Mercosur

Trotzende Bauern befremden

Der Bundesrat verhandelt derzeit über ein Freihandelsabkommen mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay (Mercosur). Ausgerechnet der Schweizer Bauernverband (SBV) fehlte an einer Aussprache, zu der Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann geladen hatte. Der Kommentar.

Anna Wanner
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Bundesrat Schneider-Ammann hat zum Gipfel geladen.

Bundesrat Schneider-Ammann hat zum Gipfel geladen.

ANTHONY ANEX

Argentinien und Brasilien schotteten ihre Wirtschaft jahrelang ab. Jetzt steht zwar eine Öffnung der Märkte bevor. Der Schweiz könnte aber der Zugang verwehrt bleiben. Denn die Südamerikaner haben das Freihandelsabkommen mit der EU so gut wie abgeschlossen. Die Schweiz hinkt hinterher; zum Leidwesen der hiesigen Exportwirtschaft, die lukrative Geschäfte wittert. Doch die Agrargrossmächte wollen ihre Türen für die Industrie nur dann öffnen, wenn die Schweiz ihre Agrarzölle senkt.

Dass es unseren Bauern davor graut, ist verständlich. Sie befürchten, der Markt könnte von argentinischem Rindfleisch und brasilianischem Rohrzucker überschwemmt werden. Die Bauern könnten ein Abkommen zum Platzen bringen, weil sie keine Chancen sehen, in diesem ungleichen Wettbewerb mitzuhalten.

Trotz dieser Bedenken ist das Gebaren des Bauernverbands befremdlich. Anstatt seine Forderungen für eine mögliche Marktöffnung einzubringen, zettelt er einen Streit mit dem Bundesrat an und trötzelt, indem er sich der Diskussion verweigert. Offenbar hat er verkannt, dass es nicht die letzte Diskussion über die Öffnung des Agrarmarkts war. Laut Bundesrat verlangt jedes neue Freihandelsabkommen, ja sogar jede Weiterentwicklung bestehender Abkommen vor allem eines: einen besseren Zugang zum Schweizer Agrarmarkt. Höchste Zeit, dass die Bauern diese Öffnung aktiv mitgestalten, anstatt sich trotzig im Reduit zu verschanzen.

anna.wanner@azmedien.ch